HS Jak und 1 Petr im Vergleich
Der Jak und der 1 Petr standen lange Zeit im Schatten der drei großen ntl. Corpora (Synoptiker; Corpus Johanneum; Corpus Paulinum). In der neueren exegetischen Forschung erfreuen sich beide jedoch einer wachsenden Aufmerksamkeit. Die Beschäftigungmit dem 1 Petr trat durch die zeitnahe Publizierung zweier wichtiger Kommentare von L. Goppelt und N. Brox zum Ende der 1970er Jahre ins Blickfeld exegetischen Bemühens. Der Jak zog insbesondere in den 1990er Jahren erhöhte Forschertätigkeit an sich, die zur Publikation maßgeblicher Werke führte (W. Popkes; Chr. Burchard; H. Frankemölle; M. Konradt). Die erhöhte Aufmerksamkeit genießen der 1 Petr und Jak völlig zu recht, denn beide nehmen eine spezifische kirchliche Krisensituation in den Blick und bringen die Konturen der christlichen Existenz in nicht-christlicher Umgebung eigenständig, charakteristisch, aber auch überaus handlungsorientiert zur Sprache. Befasst sich der 1 Petr mit dem christlichen Selbstverständnis und Weltverhältnis in einer die Christen ablehnenden Gesellschaft („Christen als Fremde”), so ist der Jak stärker der inneren Krise der christlichen Gemeinden gewidmet und befasst sich mit zahlreichen Fehlentwicklungen der christlichen Gemeinde (z.B. Missbrauch der Sprache). Beide frühchristlichen „Hirtenbriefe” geben trotz oder gerade wegen ihrer Unterschiedlichkeit wertvolle Impulse für den Vollzug christlicher Existenz in einer kirchlichen Schwellen- und Krisensituation.
- Lehrende/r: Matthias Geigenfeind
- Lehrende/r: Adrian Wypadlo