Wo kommen die Rohstoffe für unsere Elektroautos her? Was ist der Preis für diese Rohstoffe und wer bezahlt ihn? Wer muss für unsere Windparks weichen? Wer bestimmt, welche Natur schützenswert ist, und in wessen Hände ihr Schutz am besten gewährleistet werden kann? Um Politiken der ökologischen Modernisierung hiesiger Produktions- und Lebensweisen, beispielsweise für eine dekarbonisierte Energieversorgung oder elektrischen Individualverkehr, wird in Politik und Gesellschaft heftig gerungen. Es ist somit nicht verwunderlich, dass die erheblichen lokalen Auswirkungen der westlichen „Green Transition“ in marginalisierten Gegenden nur selten Gehör im öffentlichen Diskurs finden. Stattdessen werden potenzielle fatale Auswirkungen dieser Nachhaltigkeitspolitiken (un-)wissentlich im Namen des Fortschritts und des (inter-)nationalen Interesses in Kauf genommen. Diese Umverteilung von Kosten und Nutzen folgt oftmals einer kapitalistischen und (neo-)kolonialen Logik. Das Seminar adressiert dieses Spannungsfeld, indem es auf Grundlage von Texten aus der Politischen Ökologie und der Internationalen Politischen Ökonomie die Zusammenhänge von gegenwärtigen Nachhaltigkeitspolitiken und Konflikten um Zugang zu, sowie Nutzung und Bedeutungsgebung von Territorien herausgearbeitet. Ein besonderer Fokus liegt auf den Konzepten der „Green Sacrifice Zones“ und der „Green Frontiers“.

Im Seminar vergegenwärtigen wir die Auswirkungen von Nachhaltigkeitspolitiken in verschiedenen Weltregionen mit der Betrachtung von 6 Fallstudien, wobei wir nach Möglichkeit nicht nur über, sondern auch mit betroffenen Akteur*innen sprechen werden. Zudem wird immer wieder auch ein Rückbezug zur deutschen Politik hergestellt werden. Die Brücke zur entwicklungspolitischen Praxis kann auch und insbesondere mit einer Exkursion zur Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Bonn geschlagen werden, wo wir die Seminarthemen im Austausch mit Akteur*innen aus der entwicklungspolitischen Praxis vertiefen werden.

 

Voraussetzung zur Teilnahme am Kurs ist die Bereitschaft zur Lektüre der (größtenteils englischsprachigen) Seminartexte.

Studienleistung: Referat

Prüfungsleistung: Hausarbeit

 

 

Basisliteratur:

Lang, M., Manahan, M. A., und Bringel, B (Hrsg.) (2024) The Geopolitics of Green Colonialism. Pluto Press: London.

Perreault, T., Bridge, G., & McCarthy, J. (Hrsg.). (2020). The Routledge handbook of political ecology. Routledge.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2024/25
ePortfolio: No