Im Judentum wie im Christentum sind die Psalmen nicht nur Teil der Bibel, also Offenbarungstexte, „Gotteswort im Menschenwort“, sondern Gebete, also auch Antwort Israels und der Kirche – und dabei auch jeder Beterin und jedes Beters – an Gott. Dieser Doppelcharakter macht nicht nur die Auslegungsgeschichte in Judentum und Christentum besonders spannend, er bedeutet auch, dass wir in den beiden Religionen die Psalmen als gemeinsame Gebete haben, dass wir also die Psalmen „Schulter an Schulter“ beten können als gemeinsame Praxis unserer Religionen. Das setzt allerdings voraus, dass wir insbesondere im Christentum die Psalmen nicht – wie es seit der frühen Kirche geschehen ist – enterben und gegen das Judentum lesen.
- Lehrende/r: Johannes Schnocks
Semester: WT 2024/25