Die Verwendung des Begriffs "Opfer" ist allgemein verbreitet. Beispielsweise sind Ausdrücke wie "Ey du Opfer!" oder "Insgesamt sind 120 Menschen der Naturkatastrophe zum Opfer gefallen" geläufig. Diese Verwendung geschieht oft unbedacht und ist negativ konnotiert. Trotzdem scheint der Begriff fest in der Sprache verankert zu sein. In religiösen Praktiken spielte das Opfer jedoch eine bedeutende Rolle. Bis heute findet man es in der römisch-katholischen Liturgie, insbesondere im Begriff des "Messopfers". Die Eucharistie wird als das "makellose Opfer" bezeichnet, dessen Ursprünge in der Antike liegen. Die Idee, die Eucharistie als Opfer zu betrachten, könnte mit der gescheiterten Religionspolitik des Kaisers Julian (361-363 n. Chr.) zusammenhängen, der die heidnische Opferpraxis nach der "konstantinischen Wende" wiederbeleben wollte. Im vierten nachchristlichen Jahrhundert scheint das Interesse an kultischen Opfern zugenommen zu haben. Allerdings lassen sich bereits Ansätze eines Opferbegriffs für die Eucharistie ab dem ersten Jahrhundert n. Chr. feststellen. Es lohnt sich zu untersuchen, ob es Unterschiede und Gemeinsamkeiten bezüglich des Opferbegriffs und der Opfertheorie zwischen dem christlichen und dem heidnischen Bereich gibt.

Im Rahmen dieses Hauptseminars werden Textquellen analysiert und interpretiert. Kenntnisse in Griechisch oder Latein können dabei hilfreich sein, um bestimmte Ausdrücke eigenständig zu überprüfen oder zu verstehen. Die Sprachkenntnisse sind aber nicht zwingend erforderlich, da mit Übersetzungen gearbeitet wird.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2024/25