Angeregt von Diskussionen in unterschiedlichen kulturwissenschaftlichen Disziplinen hat sich die Geschichtswissenschaft in den letzten 15 Jahren vermehrt mit Dingen und Objekten befasst. Dabei ging es nicht allein um eine Rehabilitation der Sachquelle als Quellengattung, sondern vielmehr um den Versuch, die Beziehung von Menschen und Dingen neu zu betrachten sowie eine (wahrgenommene) Überbetonung der Sprache in geschichtstheoretischen Überlegungen zu korrigieren. Dingen wird in vielen dieser Zugänge eine eigene Handlungsmacht (Agency) zugesprochen, was seinerseits auf Widerspruch gestoßen ist. Wenngleich die theoretischen Diskurse und die empirischen Untersuchungen, die sich mit einer Neubewertung der Rolle von Objekten befassen, genuin geschichtsdidaktische Forschungsfelder betreffen (museale Objekte, die Rolle von Dingen in Re-Enactment und Living History, Konzepte von Authentizität und „Pastness“), wurden diese Diskussionen in der Geschichtsdidaktik bislang kaum aufgegriffen. 

Aus geschichtsdidaktischer Perspektive wurden Sachquellen dagegen als (vermeintlich) besonders motivierende Quellengattung oder als Ermöglicherin „ganzheitlicher“, nicht-nur-kognitiver (B. v. Borries) Zugriffe diskutiert. Sie spielen daher auch in Diskursen um inklusive und diversitätssensible Zugänge zum historischen Lernen eine zentrale Rolle.

In der Übung sollen diese beiden Diskursstränge aufeinander bezogen werden. Es geht mithin um die Frage, ob man die Faszinationskraft, die Sachquellen häufig zugeschrieben wird, nutzen kann, um die Mensch-Ding-Beziehungen in der Geschichte zu reflektieren.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2023/24
ePortfolio: Nein