Unter den Begriff Bibelepik fasst die literaturwissenschaftliche Forschung eine Vielzahl von Texten, die Geschichten biblischen Ursprungs erzählen. Dabei handelt es sich um Erzählungen, die ihren Stoff überwiegend aus apokryphen Evangelien beziehen, die nicht Eingang gefunden haben in den Kanon der Heiligen Schrift. Es sind somit überaus eigenständige und randständige Lektüren der biblischen Geschichte, die von klerikalen Dichtern des 12.–14. Jahrhunderts, unter anderem von Priester Wernher, Konrad von Fußesbrunnen oder Konrad von Heimesfurt, nicht ohne poetischen Anspruch verfasst wurden. Dabei beschäftigen sie sich mit zentralen aber auch mitunter abseitigen Episoden aus dem Leben Marias etwa oder Jesu, die durchaus traditionelle Gestaltungsmittel höfischer Dichtung sowie eine Nähe auch zur Lebens- und Glaubenswelt mittelalterlicher Rezeptionskreise aufweisen.

Im Seminar sollen ausgewählte bibelepische Texte vornehmlich zum Leben Jesu gelesen und textnah besprochen werden, um sie vor dem Hintergrund kanonischer Motivzusammenhänge in ihrer poetischen und rhetorischen Gestaltung nachvollziehen zu können. Das Seminar möchte gleichsam die bibelepischen Lektüren vom Leben Jesu kritischen literaturwissenschaftlichen Lektüren unterziehen. Da die Texte überwiegend nur in einsprachigen Editionen ohne neuhochdeutsche Übersetzung vorliegen (!), richtet sich das Seminar vorwiegend an fortgeschrittene Studierende, die sich mit dem jeweiligen mittelhochdeutschen Text intensiv auseinandersetzen möchten. Als Voraussetzung für die Teilnahme am Seminar ist zudem die Bereitschaft, sich regelmäßig am Seminar sowie aktiv an der gemeinsamen Arbeit in Gruppen zu beteiligen.

Ein Reader mit Texten zum Seminar wird zu Beginn des Semester vorliegen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2022/23
ePortfolio: No