Eine einzigartige Eigenschaft des biologisch modernen Menschen (homo sapiens) ist seine außergewöhnliche Adaptions- und Kommunikationsfähigkeit. Sieht man von den gesprochenen Sprachen ab, die Kommunikation ausschließlich in „Echtzeit“ ermöglichen, haben die frühen Menschen lange vor der Ersinnung von Schriftzeichen Bilder und Symbole entworfen. Diese ermöglichen Kommunikation unabhängig von der physischen Präsenz ihrer Erzeuger, und zwar so lange, wie (a) die sie tragenden außerkörperlichen Medien (z.B. Felswände) oder die Gegenstände selbst (wie Figurinen) erhalten geblieben und wie diese (b) für noch lebende Angehörige einer Kultur, unabhängig von der Zeitspanne zwischen Erzeugung und Wahrnehmung, verstehbar sind. Obwohl uns die Botschaften der Eiszeitkunst, mehr als 10.000 Jahre nach ihrer Erschaffung, verschlossen bleiben, so ist doch zu fragen, ob diese Werke tatsächlich auf Aspekt wie „Kraft und Aggression“ (Hahn 1986) zu reduzieren sind. Im Seminar geht es in diesem Sinne um die ältesten Kreationen von Bildern und Zeichen des Jetztmenschen und deren mögliche Ursprünge. Aspekte wie Zeichenträger, Motive, Themen und Bildkompositionen, Perspektive, Darstellungskonventionen sowie mögliche Bedeutungsinhalte stehen im Fokus der Veranstaltung.

Kurs im HIS-LSF

Semester: ST 2022
ePortfolio: No