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Welchen Denkströmungen oder Diskursen die Formulierung und Institutionalisierung der Menschenrechte zuzurechnen sind, welche Institutionen sie hervorgebracht oder bekämpft haben und ob sie Ausdruck einer christlich-europäischen Identität sind, ist Teil eines politischen Deutungskampfes. Das Verhältnis zur Religion ist dabei sehr umstritten: Als Resultat der anti-klerikalen französischen Aufklärung (Déclaration des droits de l’homme et du citoyen 1789) oder als Forderung einer autonomen Vernunft (Immanuel Kant) sind die Menschenrechte als historisch-systematischer Gegensatz zur (christlichen Religion) zu sehen; als Resultat einer 'Sakralisierung der Person' (Hans Joas) sind Menschenrechte der christlichen Religion geschuldet. Von postkolonialer Perspektive aus, sind Menschenrechte nicht nur Herrschaftsinstrument, sondern Teil einer europäisch-westlichen Erkenntnisweise, die z. B. religiöse Auffassungen von Gerechtigkeit diskreditiert hat (Boaventura de Sousa Santos). Andererseits verteidigen Feministinnen Menschenrechte gegen das Eigenrecht von (religiösen) Kulturen, die Frauen unterdrücken (Susan Moller Okin). Jede der Perspektiven soll vorgestellt und diskutiert werden. |
- Lehrende/r: Dagmar Judith Comtesse