Die Entstehung kollektiver Identitäten gehört nach Diskurstheoretikern wie Ernesto Laclau zur Dynamik  moderner politischen Ordnungen. Kollektive Identitäten werden demnach durch Abgrenzung nach außen und Angleichung nach Innen aktiv konstruiert und permanent bestätigt – oder auch in Frage gestellt. Aus dieser Perspektive ist Hate Speech eine extreme Form des normalen rhetorischen Spiels der Identitätskonstruktion. Aus einer intersubjektiven Perspektive geht Carolin Emcke von langwierigeren Identitätsbildungsprozessen aus, die Hate Speech kritisierbar machen. Im Seminar soll in einem ersten theoretischen Teil der Begriff "kollektive Identität" mit Rückgriff auf Laclau und Emcke fassbar gemacht werden. Von den beiden unterschiedlichen theoretischen Warten aus, kann Hate Speech unterschiedlich problematisiert werden. In einem zweiten praxisorientierten Teil (der zeitlich gesehen kleiner ausfallen wird), sollen Beispiele aus dem Schulalltag aus beiden Perspektiven besprochen werden: Wie laufen Konstruktionsprozesse von kollektiven Identitäten durch Hate Speech ab, welche Auswirkungen auf intersubjektive Prozesse von Identitätsbildung hat Hate Speech? Welche Strategieempfehlungen können entwickelt werden? 

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2021/22
ePortfolio: No