Wichtiger Hinweis: Das Seminar findet digital statt!

Das Narrativ der "gespaltenen Gesellschaft" lässt sich in zeitgenössischen politischen, aber auch soziologischen Debatten immer öfter antreffen: Extremisierungstendenzen, aufkommende Fundamentalismen und wieder erstarkende Autoritarismen kappen die Kommunikationskanäle im öffentlichen und im privaten Diskurs. Angeklagt wird hierbei u.a. fehlender gesellschaftlicher Wertekonsens, zunehmende soziale Ungleichheiten, sowie neue "Kulturkämpfe". Mangelnde Solidarität und Toleranz sind die oftmals herangezogenen Ursachen, die als Erklärungsmuster dienen sollen, diese Spaltungstendenzen zu verstehen. Die Corona-Pandemie und die damit entstandenen neueren sozialen Bewegungen der sogenannten "Querdenker" verstärken diese Prozesse zum Teil. Es scheint so, als bilden sich gemeinschaftliche Sphären aus, die sich immer weiter voneinander entfernen.

Aufbauend auf diese allgemeinen Überlegungen wollen wir uns im Seminar mit folgenden Fragen beschäftigen: Was ist gesellschaftlicher Zusammenhalt? Wie hängt dieser mit Inklusion, Solidarität und Integration zusammen? Was hält Gesellschaften eigentlich zusammen? Was meint gesellschaftliche Spaltung? Kommt es tatsächlich derzeit zu abnehmendem gesellschaftlichem Zusammenhalt oder ist das Narrativ nicht vielmehr schon immer aktuell gewesen? In welchen Teilbereichen lassen sich Spaltungen der Gesellschaft antreffen und woher resultieren diese? Braucht es überhaupt eines gesellschaftlichen Zusammenhalts, um Zusammenleben zu ermöglichen? Das Seminar wirft aus der Perspektive der soziologischen Theorie einen Blick auf diese und weitere Fragen. Hierbei werden Klassiker zum Themenkomplex gelesen, wie auch neuere Literatur herangezogen. Zudem wird Bezug genommen auf verschiedene Narrative gesellschaftlichen Zusammenhalts, welche Kollektive (z.B. Parteien, politische Bewegungen oder ethnisch-kulturelle Minderheiten) als Identitätsangebote und zugleich Grenzziehungen programmatisieren. Hinzugezogen werden zeitgenössische empirische Beispiele, die als empirische Kontrastierung zu Thesen über gesellschaftlichen Zusammenhalt bzw. gesellschaftlicher Spaltung gelesen werden können.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2021/22
ePortfolio: Nein