Waren Computerspiele in den 1980er Jahren noch ein weitestgehend unbekanntes Nischenphänomen, so erfreuen sie sich heute bei vielen Menschen großer Beliebtheit, was sich etwa daran zeigt, dass die Computerspielbranche mittlerweile zu den umsatzstärksten Branchen im Unterhaltungssektor zählt.
Doch ist der gesellschaftliche und (kunst-)ästhetische Status von Computerspielen umstritten: So warnen Kritiker vor den potenziell schädlichen Folgen von Computerspielen für Individuum und Gesellschaft (man denke etwa an die Debatte über sogenannte „Killerspiele“), und der berühmte Filmkritiker Roger Ebert hat darauf bestanden, dass Computerspiele aus prinzipiellen Gründen keine Kunstwerke sein können. Demgegenüber hat der deutsche Kulturrat Computerspiele 2008 öffentlich als „Kulturprodukte“ gewürdigt, und seit einigen Jahren werden Computerspiele in den Feuilletons großer deutscher Tageszeitungen besprochen und positiv bewertet.
Die gestiegene gesamtgesellschaftliche Bedeutung von Computerspielen hat – neben dem Aufkommen einer neuen Forschungsdisziplin, der „Game Studies“, und der Veröffentlichung zahlreicher psychologischer und sozialwissenschaftlicher Studien – auch die philosophische Reflexion von Computerspielen angeregt. Die Philosophie der Computerspiele umfasst – von der theoretischen bis zur praktischen Philosophie und Ästhetik – nahezu alle philosophischen Disziplinen und Teilbereiche.
Im Seminar sollen ausgewählte aktuelle Kontroversen erarbeitet und diskutiert werden. Dazu zählen ontologische Fragen nach dem Wesen von Computerspielen, ihren Eigenschaften und Identitätsbedingungen, kunsttheoretische und -ästhetische Fragen nach dem (möglichen) Kunststatus von Computerspielen und schließlich auch ethische Fragen nach der moralischen Bewertbarkeit virtueller Handlungen. Weitere Themenschwerpunkte werden gemeinsam im Seminar abgesprochen.
- Lehrende/r: Lukas Daum