Qualia – dieser vielleicht etwas ominöse Begriffe benennt etwas, was uns allen nur zu vertraut ist: nämlich die Art und Weise, wie uns Dinge erscheinen. Am einfachsten lässt sich dies an einem Beispiel veranschaulichen: Stellen Sie sich vor, Sie sitzen am Strand, die Sonne geht gerade unter, die letzten Sonnenstrahlen treffen auf ihr Gesicht, sie hören das Rauschen des Meeres. Was Sie jetzt wissen, ist nicht nur, wie das Meer klingt oder dass die Sonne sie wärmt – sie wissen, wie es ist, das Meer zu hören, wie es ist, die Sonne zu spüren oder wie es ist, zu sehen, wie sich ihre Füße in den Sand graben, und wie es später juckt, wenn sie mit den sandigen Füßen wieder ihre Schuhe anziehen. All diese perzeptuellen oder somatosensorischen Erlebnisse stellen Formen von Qualia dar – Eigenschaften des subjektiven Erlebens.

Warum sind diese nun philosophisch bzw. metaphysisch interessant?

In Bezug auf das Leib-Seele-Problem vertreten Physikalisten die Position, dass es nur physische Gegenstände gibt, d.h. keine immateriellen, geistigen Entitäten. In Bezug auf unser phänomenales Bewusstsein, also dem subjektiven Erlebnischarakter, den wir „erleben”, wenn wir uns in Bewusstseinszuständen befinden, hieße dies, dass es sich auch bei diesen Qualia (sofern es sie denn überhaupt gibt, wie wir im Seminar sehen werden, sind nicht alle Physikalisten dieser Meinung) um physikalische Eigenschaften handelt, diese sich also (natur)wissenschaftlich erklären lassen, etwa anhand gewisser neuronaler Aktivitäten im Gehirn. Anti-Physikalisten halten diese Einschätzung für verfehlt und vertreten die entgegengesetzte These, dass Qualia sich als unmittelbare Eigenschaften des subjektiven Erlebens prinzipiell nicht mithilfe naturwissenschaftlicher Modelle erklären lassen. Sie vertreten somit eine Form des Substanzdualismus: Es gibt immaterielle, geistige Substanzen, die Träger psychischer Eigenschaften sind.

Die Qualia-Debatte kreist somit um die Frage: Wie lässt es sich (naturwissenschaftlich) erklären, dass einige mentale Zustände einen qualitativen Erlebnischarakter besitzen?

Ziel des Seminars ist es, dass wir uns mit einigen zentralen Positionen auseinandersetzen, d.h. diese anhand prominenter Texte kennenlernen, kritisch zu diskutieren und auch eigene Gedanken dazu entwickeln. Neben der "klassischen" Lektüre von Aufsätzen wird sich hieru in diesem Seminar auch des Schreibens als Denkwerkzeug bedient und mithilfe von Schreibaufträgen sowohl vor und innerhalb der Sitzung sich schreibend mit dem Gelesenen auseinandergesetzt. Dies erfordert eine gewisse Vorliebe für Gedankenexperimente und Was-wäre-wenn-Spiele, soviel sei vorweg gesagt! Zudem erfordert die Teilnahme die Bereitschaft, sich auch in längere, analytische Texte einzuarbeiten, sowie dazu, auch selbst im Seminarverlauf schreibend tätig zu werden.

Der Seminarplan wird in der ersten Sitzung vorgestellt.

Die Seminartexte und weitere Materialien werden im Learnweb zur Verfügung gestellt.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WT 2021/22
ePortfolio: No