Während die Weltbank vorhersagt, dass im Zuge der Covid-Pandemie mehr als 100 Millionen Menschen weltweit mehr in extreme Armut fallen dürften, also gemittelt mit weniger als 1,90 $ am Tag auskommen müssen, hat die Zeit der Pandemie den privaten Reichtum einiger weniger Menschen in ungekannte Höhen befördert. (Nachzulesen hier: https://www.worldbank.org/en/who-we-are/news/coronavirus-covid19 und tagesaktuell für die Reichsten der Reichen hier: https://www.forbes.com/real-time-billionaires/#5c3424d43d78.) – Verbirgt sich hinter dieser Nachricht mehr als ein Kuriosum über Fortune und wirtschaftlichen Erfolg global agierender innovativer Unternehmer? Wie ist der immense Reichtum einiger aus philosophischer Sicht zu beurteilen? Hat das Anhäufen großer Vermögen irgendetwas ‚moralisch Tadelnswertes‘ an sich, ist es womöglich per se verwerflich? Oder können wir es gar nicht kontextfrei beurteilen, müssen wir immer die gesellschaftlichen und globalen Rahmenbedingungen einbeziehen, wenn wir über Reichtum nachdenken? Werden die einen notwendigerweise auf Kosten anderer reich? Profitieren – so das marktwirtschaftliche Versprechen – am Ende alle davon, dass manche so erfolgreich ihre Produkte verkaufen? Rechtfertigen Verdienst und Leistung Reichtum? Wie verhält es sich mit Erbschaften? Sind diese über die Generationen tradierten Vermögen im Gegenzug unverdient und womöglich ungerechtfertigt? Ist eine Vermögenssteuer eine angemessene politische Antwort eines Gemeinwesens oder führt sie nur dazu, dass die Reichen das Land verlassen? – Diese und ähnliche Fragen sollten nicht als bloß empirische Fragen missverstanden werden. Im Seminar kommen sie anhand ausgewählter Texte, die im Learnweb zur Verfügung gestellt werden, zur Sprache. Wir beginnen mit der Frage danach, was ‚Reichtum‘ überhaupt bedeutet, wie ‚Reichtum‘ und ‚Wohlstand‘ zu unterscheiden sind und sich Reichtum und ökonomische oder soziale Ungleichheit (nicht nur) begrifflich zueinander verhalten. Thomas Scanlon unterzieht in seinem Werk „Why Does Inequality Matter?“ (Oxford University Press 2018) unterschiedliche Antworten auf diese Frage einer gründlichen Prüfung. Christian Neuhäuser untersucht „Reichtum als moralisches Problem“ (Suhrkamp 2018).
- Lehrende/r: Katja Stoppenbrink