Dass wir uns selbst Individualität zuschreiben, ist für die meisten Menschen unseres Kulturkreises selbst­verständlich und scheint kaum der Erörterung wert zu sein. Allerdings ergeben sich daraus eine Reihe von Doktrinen, die in der Pädagogik, der Psychologie und der Soziologie, aber auch im öffentlichen Diskurs kon­tro­vers diskutiert werden. So gibt es in der Soziologie die deskriptive These von der zunehmenden Indivi­dua­li­sie­rung moderner Gesellschaften, in der politischen Theoriebildung kennt man den Individualismus als normative These und in der Theorie der Sozialwissenschaften – in seiner methodischen Wendung – als „metho­do­l­o­gischen Individualismus“.

Im Mittelpunkt dieses Seminars steht die genuin philosophische Frage: Wie kann das Phänomen der mensch­lichen Individualität, das die Wurzel dieser und anderer „Ismen“ darstellt, genauer beschrieben und inwieweit kann es begrifflich expliziert werden? Zu dieser Frage gibt es in der Philosophie – im Unterschied zur Debatte um den Begriff des Selbst oder den Personenbegriff – keine konsensuell akzeptierte Terminologie und keinen etablierten Kanon an Theorien. Dennoch reichen Spuren der Auseinandersetzung mit diesem Thema weit in die Philosophiegeschichte zurück.

Im Seminar werden wir uns sowohl mit klassischen als auch mit zeitgenössischen Texten zum Thema Indi­vi­dualität auseinandersetzen, um uns die verschiedenen Bedeutungsaspekte menschlicher Individualität zu er­schließen. Ziel des Seminars ist es zu verdeutlichen, aus welchen Gründen Individualität ein unverzichtbarer Be­­standteil unseres menschlichen Selbstverständnisses ist.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2021
ePortfolio: Nein