Die verschiedenen Mitgefühle und hierunter vor allem das Mitleid wurden in der Geschichte der Moralphilosophie kontrovers diskutiert und bewertet. Hierbei wurden ganz unterschiedliche Fragen aufgeworfen: Ist Mitgefühl nur ein episodischer Affekt (der kommt und geht), oder gibt es auch so etwas wie eine Haltung, vielleicht sogar Tugend des Mitfühlens? Was heißt es überhaupt, „mit“ jemandem zu fühlen? In welcher Weise geht das Vermögen zum Mitfühlen über die Fähigkeit, fremde Gefühle zu erfassen, hinaus – eine Fähigkeit, über die ja auch Narzissten und Soziopathen verfügen? Und welche Rolle spielt das Mitgefühl für die Motivation und Bewertung moralischer Handlungen? Ist es zum Beispiel grundsätzlich lobenswert, wenn jemand aus Mitleid einem Bedürftigen beispringt (wie Hume oder Schopenhauer vertreten haben)? Oder ist das Handeln aus Mitleid eher abzulehnen (eine Sicht, die z.B. Platon und die Stoa vertreten haben)? Und, last not least: Wenn wir Mitleid gutheißen, sollten wir dann nicht auch Selbstmitleid begrüßen?

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen anhand von klassischen Texten einen Überblick über die wichtigsten Diskussionsstränge in der philosophischen Debatte über die Mitgefühle und insbesondere das Mitleid gewinnen. Die genaue Textauswahl wird zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2021