Individuelle Autonomie gilt dort als gegeben, wo jemand nach eigenen Standards und Interessen zu handeln vermag. Sie setzt die Fähigkeit voraus, über Entscheidungsoptionen in autonomie-verträglicher Weise zu reflektieren und erachtet Bevormundung und Zwang durch andere als ethisch unzulässig.

Der Begriff „Relational Autonomy“ steht für eine Neubestimmung von Autonomie, die vor allem durch die Arbeiten feministischer Philosophinnen angestoßen wurde. Ziel ist es, der sozialen und relationalen Einbettung sowie den intersubjektiven Ermöglichungsbedingungen von individueller Autonomie Rechnung zu tragen. Individuelle Autonomie von Personen soll als etwas begriffen werden, das soziale Beziehungen in sich begreift, statt sie als antithetisch dazu zu verstehen. Als soziale Wesen ist unser Leben auf vielfältige Weise durch die Beziehungen zu anderen geprägt; dazu gehören beispielsweise Beziehungen innerhalb der Familie oder die Unterstützung und der Austausch innerhalb von Freundschaften. Der Begriff „relationale Autonomie“ impliziert, dass die vielen relationalen Bezüge, in denen wir zu anderen stehen, nicht notwendig ein Hindernis für die Aktualisierung individueller Autonomie darstellen. Das Ziel der Autoren und Autorinnen, die sich mit diesem Ansatz beschäftigen, ist es, die Implikationen zu entfalten, die sich aus der Anerkennung der intersubjektiven und sozialen Dimensionen des Personseins für den Begriff der individuellen Autonomie, des moralischen and politischen Handelns ergeben.

Im Seminar werden wir ausgewählte Beiträge der Debatte um Relationale Autonomie lesen und gemeinsam diskutieren.

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2021
ePortfolio: Nein