Lernende erfahren in ihrem (Schul-)Alltag ständig Situationen der Andersartigkeit und die verschiedenen Reaktionen des Umfeldes auf diese Abweichungen, wozu nicht zuletzt Mobbing zählt. Seit der politischen Entscheidung, Lernende mit sonderpädagogischem Förderbedarf nach Möglichkeit in Regelinstituten zu beschulen, ist die Heterogenität schulischer Lerngruppen noch weiter gestiegen. Unabhängig davon, ob jedoch ein attestierter Förderschwerpunkt vorliegt oder lediglich das Aussehen, Verhalten oder Vorlieben von der vermeintlichen ‚Norm‘ abweichen, sind junge Menschen nicht selten schlichtweg hilflos, was den Umgang mit eigener Andersartigkeit, andersartigen Personen und solchen, die letztere ignorieren oder mobben angeht. Der Französischunterricht kann im Bereich des interkulturellen Lernens, das eng an Perspektivwechsel geknüpft ist, einen bedeutsamen Beitrag dazu leisten, Lernende zu sensibilisieren und ihnen Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.
Dieses Seminar zeigt auf, wie dies im Rahmen einer komplexen Lernaufgabe mit fortgeschrittenen Französischlernenden anhand verschiedener Jugendromane erfolgen kann, die sich thematisch mit einem solch andersartigen Menschen und den Umgangsweisen des jeweiligen Umfeldes auseinandersetzen. Das Ziel ist es, zum einen im Bereich der funktional kommunikativen Kompetenz sowie der Text- und Medienkompetenz das exhaustive Lesen und die fokussierte Analyse sowie zum anderen als Bestandteil interkultureller Handlungsfähigkeit das Kennenlernen, Gegenüberstellen und Reflektieren verschiedener Perspektiven auf Andersartigkeit anleiten zu können. Ein Zusammenführen der verschiedenen Textinhalte und Interpretationen kann im Klassenraum zu einer Diskussion, dem Festlegen von Klassenregeln und der Bewusstmachung von Handlungsoptionen für ganz konkrete Situationen führen.
Das Seminar bietet zu Beginn eine Einführung in Merkmale und Potenziale von Kinder- und Jugendliteratur im Fremdsprachenunterricht, Aufgabenorientierung und Inklusion verknüpft mit Fremdverstehen und sozialer Verantwortung. Es folgen Sitzungen zu Grundlagen wie gendersensiblem Unterricht, sonderpädagogischen Förderschwerpunkten, sprachlich-kultureller Vielfalt und der individuellen Diagnose und Förderung im Französischunterricht, bevor in Referatssitzungen sukzessive die verschiedenen Romane und die unterrichtliche Arbeit mit ihnen vorgestellt und diskutiert werden. Am Ende folgt eine Zusammenführung der inhaltlichen sowie didaktisch-methodischen Erkenntnisse. Sowohl das inklusive Unterrichten selbst als auch das Thematisieren von Inklusion stehen somit im Zentrum dieses Seminars.
- Lehrende/r: Svenja Haberland
- Lehrende/r: Corinna Koch