Rassismus ist nach wie vor ein Alltagsphänomen. Aber woher kommt die Idee einer Unterscheidung der Menschen nach Rassen und einer damit verbundenen Auf- oder Abwertung? Dass rassistisches Denken im 20. Jahrhundert zum Kernbestand der nationalsozialistischen Ideologie erhoben wurde, ist bekannt. Aber rassistische Denkmuster treten schon wesentlich früher in Erscheinung und lieferten später diverse Anknüpfungspunkte für demagogische Akteure. Auch in – zumindest dem Anspruch nach – philosophischen Texten finden sich lange vor dem 20. Jahrhundert rassistische Elemente. Schon im 18. Jahrhundert wurde die Unterscheidung der Menschen nach Rassen intensiv diskutiert, u. a. von Immanuel Kant in seinem Aufsatz „Von den verschiedenen Racen der Menschen“ (1775). Es stellt sich daher die Frage: Wo finden sich in der Philosophie Anfänge rassistischen Denkens? Wann, mit welchen Motiven und auf welche Weise wurde dieses Denken zu rassistischen Theorien ausgearbeitet? Welcher Begriff vom Menschen wurde in diesen Theorien zugrunde gelegt? Wie wurde von philosophischer Seite auf solche Theorien reagiert? Ausgehend von diesen Fragen beleuchtet das Seminar einen brisanten Aspekt der philosophischen Anthropologie in historischer und systematischer Perspektive. Nicht zuletzt wird damit auch das Ziel verfolgt, die Teilnehmer*innen des Seminars für den Umgang mit dem Phänomen des Rassismus zu sensibilisieren.
Erläuterungen zur didaktischen Konzeption des Seminars folgen in der ersten Sitzung.
- Lehrende/r: Kay Zenker