Das Projekt Foucaults, eine ‚Geschichte‘ der Sexualität (Histoire de la sexualité) zu schreiben, begann 1976 mit der Veröffentlichung des ersten Bands von Sexualität und Wahrheit: Der Wille zum Wissen. Das ursprüngliche Vorhaben „einer Geschichte der Sexualität als Erfahrung” der Moderne (16.-19. Jh.) war allerdings nie wie vorgesehen vollendet. Stattdessen fokussierte Foucault sich auf eine Genealogie des Begehrens und des begehrenden Subjekts, die zurück bis in die klassische Antike ging und deren Ergebnisse zunächst 1984 – kurz vor Foucaults Tod – als Bände 2 (Der Gebrauch der Lüste) und 3 (Die Sorge um sich) von Sexualität und Wahrheit erschienen. Diese Bänder untersuchen Texte des klassischen griechischen Denkens sowie des Hellenismus und der Kaiserzeit, um die Entwicklung eines Subjekts zu verfolgen, das sich auf der Basis der Beschäftigung mit sich selbst und der Beziehung zur Wahrheit bildet. Der gerade erschienene vierte Band (Die Geständnisse des Fleisches, posthum 2018, auf Deutsch 2019) – der das mehrbändige Werk vervollständigt und sich der früh christlichen Erfahrung des begehrenden Subjekts und der Verwandlung der griechischen und römischen Lebenskunst in die religiöse Praxis des Christentums widmet – ermöglicht erst nun, die abgeschlossene foucaultsche Genealogie des begehrenden Subjekts richtig in Acht zu nehmen. Dementsprechend ist Ziel des Seminars, die Konstitutionsweisen des Subjekts – als Formen der Selbsterkenntnis und ‚Sorge um sich selbst‘ – in der Antike und der Spätantike anhand der foucaultschen Texte (insb. Bände 2-4) und der entsprechenden philosophischen Quelltexte zu erörtern.

 

Kurs im HIS-LSF

Semester: SoSe 2020
ePortfolio: Nein