Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) gehört zu den berühmtesten Autoren des deutschen Idealismus, die in kritischer Absicht an die theoretische und praktische Philosophie Immanuel Kants (1724-1804), insbesondere an dessen drei berühmte ‚Kritiken‘ anknüpften.

Aufbauend auf seiner (in zahlreichen Fassungen erarbeiteten) ‚Wissenschaftslehre‘ als Grundlegungswerk systematischer Philosophie, entwickelt Fichte in den „Grundlagen des Naturrechts“ von 1796 sein rechtsphilosophisches Hauptwerk. Auf Basis der in der ‚Wissenschaftslehre‘ entfalteten grundlegenden Prinzipien sinnvollen systematischen Philosophierens entwickelt Fichte eine komplexe Rechts- und Staatsphilosophie, die – seinem eigenen Anspruch nach – aus vernünftigen und strikt a priorischen Prinzipien eine intersubjektiv verbindliche und für alle als vernünftig einsehbare Philosophie rechtlicher Verhältnisse zwischen Individuen und Staaten offeriert.

Im Seminar werden wir uns zentrale Passagen dieses Unternehmens im Detail widmen, um die Vorzüge und Nachteile bzw. die Überzeugungskraft von Fichtes Vorschlägen rekonstruieren und kritisch evaluieren zu können.

Das Seminar bietet sowohl die Gelegenheit sich mit klassischen Fragen der Rechts- und Staatsphilosophie zu befassen als auch die Gelegenheit die systematische Komplexität der Philosophie Fichtes kennenzulernen. Zu den grundlegenden Lernzielen gehört es, die hermeneutischen Mittel einzuüben, derer es bedarf, um sich in kritischer Lektüre mit einem herausfordernden Text zu befassen.

Das Seminar setzt keine Vorkenntnisse hinsichtlich des deutschen Idealismus oder der kantischen Philosophie voraus, wohl aber die Bereitschaft, sich in gründlicher Lektüre auf Fichtes Vorschläge einzulassen.

Die zu behandelnden Passagen des Textes werden im Learnweb zur Verfügung gestellt.


Semester: WiSe 2019/20