In weltanschaulich pluralen und religiös heterogenen modernen Gesellschaften ist Religion (wieder) zu einem Gegenstand öffentlicher Auseinandersetzungen und zu einem Thema der Politik geworden. Religion erscheint als ambivalenter Faktor der gesellschaftlichen Dynamik: Sie kann den sozialen Zusammenhalt fördern, aber auch polarisieren, und sie ist anfällig für ideologische Verzweckungen. Die wachsende Sensibilität für die Ambivalenz von Religion schlägt leicht in generelle Skepsis oder gar aggressive Ablehnung öffentlich sich artikulierender Religiosität um.

An welchen Maßstäben soll sich staatliche Religionspolitik orientieren? Welche Bedeutung kommt dem Recht auf Religionsfreiheit zu? Welche Rolle sollen / dürfen Religionsgemeinschaften und Kirchen in der gesellschaftlichen Öffentlichkeit wahrnehmen? Wie ist dem Ruf nach Privatisierung der Religion zu begegnen? Um diese und weitere Fragen in der Vorlesung bearbeiten zu können, werden einerseits die religiöse Lage in europäischen Gesellschaften analysiert und religionsrechtliche Rahmungen und religionspolitische Positionen (v.a. in Bezug auf Deutschland) vorgestellt. Andererseits werden theologische Grundpositionen zum Verhältnis von Kirche, gesellschaftlicher Öffentlichkeit und Staat sozialethisch reflektiert.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2019/2020