Lange Zeit spielten Diözesanmuseen im Konzert der ambitionierten Museumskonzepte nur eine untergeordnete Rolle. Von einigen Ausnahmen abgesehen (etwa Paderborn oder Würzburg) erwartete man von diesen Museen in kirchlicher Hand kaum mehr als die Verwahrung und konservatorische Betreuung von Bildwerken, die in den Kirchen eines Bistums nicht mehr erwünscht waren oder nicht sachgerecht präsentiert bzw. eingelagert werden konnten.

Solche Vorurteile sind spätestens seit der langen Vorbereitungszeit für die Neueröffnung des erzbischöflichen Kunstmuseums in Köln (2007) gründlich widerlegt. Neue Bauten werden für die Sammlungen geschaffen, nach neuen Präsentationsformen wird gesucht: Gibt es markante Unterschiede zwischen einem Diözesanmuseum und Ausstellungshäusern einer Kommune, eines Landes oder des Bundes? Erst mit diesen neuen Ausstellungskonzepten tritt ins öffentliche Bewusstsein, dass viele der kirchlichen Museen nicht nur Kirchenschätze behüten, sondern über lange Zeit auch Werke zeitgenössischer Kunst gesammelt haben – oder immer noch sammeln. Wie wird Religion in Kunstwerken des beginnenden 21. Jahrhunderts gezeigt? Wie zeigt sich Gott im Museum?

Aus dem Spannungsverhältnis dieser Fragen gewinnen Diözesanmuseen zunehmend ein eigenständiges Profil in der immer differenzierter werdenden Museumslandschaft. Und die einschlägigen Auseinandersetzungen darum gehen weiter: Jüngst sind in Wien und Graz diözesane Kunstsammlungen eröffnet worden, in denen die Frage nach den spezifischen Aufgaben eines solchen Museums neu gestellt wird.

Das Seminar befasst sich auf exemplarische Weise mit diesen Auseinandersetzungen. Neben vor- und nachbereitenden Sitzungen (9. und 22. Oktober, 19. November 2019) sind eine Exkursion nach Wien und Graz (30. Oktober bis 3. November 2019) sowie ein Besuch in Kolumba in Köln (voraussichtlich 14. Januar 2020) vorgesehen.

Kurs im HIS-LSF

Semester: WiSe 2019/2020