Wenn ein junger Wissenschaftler seine Lehrtätigkeit an einer Universität beginnt, so wird seine Antrittsvorlesung mit in der Regel mit Spannung erwartet, in der er oder sie exemplarisch das von ihm/ihr vertretene Fach vorstellt zusammen mit dem verwendeten methodischen Ansatz. Nicht eine Antrittsvorlesung, so doch seine erste theologische Abhandlung liegt hinsichtlich des Völkerapostels Paulus im 1. Thessalonicherbrief vor. Dieses Schreiben ist das älteste Dokument des NT und markiert somit den Beginn der christlichen Literaturgeschichte. Es handelt sich jedoch um eine „Theologie im Werden”, insofern Paulus gedanklich auf dem Weg ist. Zwar ist auch hier schon die Christologie weit entwickelt, doch wird diese stets an die Theo-logie des Völkerapostels rückgebunden, sodass es zu einer beachtlichen Interrelation von Theologie und Christologie kommt. Paulus verknüpft diesen Ansatz mit einer Interaktion mit der von ihm neugegründeten Gemeinde im mazedonischen Thessalonich, auf deren weitere theologische Entwicklung er mittels dieses Schreibens Einfluss nehmen will. Zielsetzung der Vorlesung im WS 2019/20 wird es sein, weite Teile des 1 Thess unter den soeben beschriebenen Prämissen auszulegen und den in diesem Erstlingsschreiben vorgelegten Gedanken des Paulus einen Ort im Denken der protopaulinischen Schriften zu geben.

Semester: WiSe 2019/2020