Unbekannte geographische Räume sind in literarischen Darstellungen aller Gattungen und aller Epochen niemals Leerräume. Vielmehr sind sie Projektionsflächen, die von Autoren in phantastischer Weise, jedoch narrativ logisch für ihr intendiertes Publikum erschlossen werden, indem sie mit topographischen Details versehen, mit Lebewesen besiedelt und mit sozialen und politischen Organisationsformen ausgestattet werden. Je ferner diese unbekannten Räume jenseits des geographischen Horizonts der Autoren und ihrer Rezipienten liegen, desto fremdartiger ist deren Ausgestaltung. Entscheidende Einschnitte für die Entwicklung solcher Weltkonstruktionen sind historische Momente geographischer Wissenserweiterung: Wenn aus einer terra incognita eine bekannte Welt wird, gerät zugleich tradiertes Textwissen mit aus Beobachtung und Erfahrung gewonnenem Wissen in Konflikt.

Ziel der Übung ist eine intensive vergleichende Lektüre entsprechender antiker und frühneuzeitlicher Texte, um gemeinsam zu diskutieren, wie geographische Räume unter sich wandelnden Wissensbedingungen literarisch entworfen, erfasst und entwickelt worden sind.

Kurs im HIS-LSF