
Projekte
Die Abteilung Kriminologie bearbeitet aktuelle Forschungsprojekte zu Fragen polizeilichen Handelns, demokratischer Einstellungen, Aussagepsychologie und den Auswirkungen neuer Technologien auf Strafverfolgung und soziale Kontrolle. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über laufende Projekte sowie weiterführende Informationen zu den einzelnen Forschungsvorhaben.
Aktuelle Forschungsprojekte

© BMFTR Institutionelle Bearbeitung islamistischer Radikalisierung bei jungen Menschen (IBIRA-J)
Im Fokus des Verbundprojekts steht die Frage, wie im Rahmen regulärer institutioneller Strukturen mit Fällen angenommener islamistischer Radikalisierung bei jungen Menschen umgegangen wird und wie Soziale Arbeit, Polizei und Justiz islamistisch motivierte Straftaten junger Menschen bearbeiten. Damit adressiert das Projekt, das vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördert wird, eine zentrale Forschungslücke: das Spannungsverhältnis zwischen den Grundprinzipien des Jugendstrafrechts – allen voran dem Erziehungsgedanken und dem Ziel der Legalbewährung junger Menschen – und den Sicherheitsinteressen des Staates im Hinblick auf islamistische Straftaten und Gefährdungspotenziale. Beide verfolgen unterschiedliche Grundziele und können leicht in Konflikt geraten. Das Projekt soll dazu beitragen, die interinstitutionelle Zusammenarbeit sowie Präventions- und Interventionsansätze weiterzuentwickeln, um langfristig gesellschaftliche Resilienz und demokratischen Zusammenhalt zu stärken.
Während die im Zentrum stehenden Institutionen vornehmlich isoliert betrachtet oder nur einzelne Präventionsprogramme beleuchtet wurden, liegt die Innovation des Projekts in der empirischen Analyse und Triangulation institutioneller Handlungslogiken, Kooperationsformen und interprofessioneller Verflechtungen zwischen Sozialer Arbeit, Polizei und Justiz. Damit verknüpft das Projekt drei bislang getrennt voneinander geführte Forschungsstränge: Arbeiten zur Radikalisierung junger Menschen, Untersuchungen zum institutionellen Umgang mit Radikalisierung im sozialpädagogischen und sicherheitsbehördlichen Bereich sowie kinder- und jugendstrafrechtliche Perspektiven auf altersgerechte Strafverfahren.
Methodisch greift das Vorhaben auf qualitative Verfahren zurück. Eingesetzt werden Expert:inneninterviews, Fokusgruppen und teilnehmende Beobachtungen im Kontext von Sozialer Arbeit, Polizei und Justiz.
Auf dieser empirischen Grundlage werden evidenzbasierte Handlungsempfehlungen, Hinweise für die Gestaltung von Aus- und Fortbildungskonzepten für die Akteur:innen und praxisrelevantes Wissen für den Umgang mit islamismusbezogenen Verdachts- und Gefährdungskonstellationen entwickelt. Durch Kooperationen mit Justizakademien, Polizeihochschulen und Fachverbänden erfolgt ein nachhaltiger Transfer in die Praxis und in Aus- und Fortbildungsstrukturen.
Durchgeführt wird das Projekt gemeinsam im Verbund:
Universität Bielefeld, Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (Projektkoordination)
Universität Münster, Institut für Kriminalwissenschaften Abt. Kriminologie
Universität Hamburg, Fakultät für Rechtswissenschaft, Institut für Kriminologie
Hochschule Zittau/Görlitz, Fakultät Sozialwissenschaften
Laufzeit: 10/2026 bis 09/2029
BMFTR-Förderkennzeichen: 01UG2634D
