
Helena van Eden M.A., M.Ed.

Forschungsschwerpunkte:
- Philosophie der (Spät-)Antike und des Mittelalters
- Metaphysik
- Religionsphilosophie
Dissertationsprojekt:
Erstgutachter: Prof. Dr. Christian Pietsch
Zweitgutachter: Prof. Dr. Niko Strobach
Promotionsfach: Philosophierationes seminales und Weltseele in der Genesiskommentierung des Augustinus
Das Dissertationsprojekt untersucht die Kausalstruktur der Weltentstehung bei Augustinus vor dem Hintergrund ihrer neuplatonischen Voraussetzungen. Ausgangspunkt ist eine systematische Schwierigkeit, die sich aus Augustins Verhältnis zur pagan-platonischen Ontologie ergibt. Während im Platonismus und Neuplatonismus die Weltseele als eigenständige Vermittlungsinstanz zwischen dem intelligiblen Bereich und der körperlichen Welt fungiert, scheint Augustinus diese hypostatische Ebene weitgehend aufzugeben. Damit entfällt jedoch zunächst gerade jene Instanz, der innerhalb der platonischen Kosmologie die Vermittlung intelligibler Formprinzipien in die raumzeitliche und materielle Wirklichkeit zukommt. Der Verzicht auf die Weltseele erzeugt somit eine erklärungsbedürftige Lücke innerhalb der Kausalordnung der Schöpfung. Die Untersuchung geht von der Hypothese aus, dass Augustinus die Weltseele nicht ersatzlos aus seiner Wirklichkeitsstruktur entfernt, sondern ihre Funktionen in veränderter Form bewahrt. Indizien legen eine zweifache Verschiebung nahe: Einerseits könnten bestimmte kognitiv-konzeptionelle Funktionen der Weltseele „nach oben“ in den göttlichen Intellekt integriert worden sein, andererseits scheint ihre gestalterisch-vermittelnde Funktion „nach unten“ in die geschaffene Wirklichkeit verlagert zu werden. Das Zentrum der Dissertation bildet jedoch die Frage der Verschiebung der gestalterisch-vermittelnden Weltseelenfunktion „nach unten“. Hier richtet sich die Untersuchung insbesondere auf Augustins Lehre von den rationes seminales. Diese sind als immaterielle, der geschaffenen Wirklichkeit eingegebene Kausal- und Formprinzipien zu verstehen, die aus den in Gott liegenden rationes aeternae hervorgehen und die zeitliche Entfaltung der körperlichen Welt ermöglichen. Durch sie lässt sich erklären, wie eine von Gott zugleich begründete Schöpfung sich dennoch sukzessiv in Raum und Zeit entfalten kann. Die rationes seminales bilden damit eine Vermittlung zwischen der ewigen göttlichen Schöpfungsordnung und den konkreten Prozessen der materiellen Welt. Entscheidend ist dabei die weiterführende Frage, ob die rationes seminales lediglich als voneinander unabhängige Einzelursachen anzusehen sind oder ob sie einen systematischen Zusammenhang bilden. Gerade Augustins Begriff des deus artifex und der damit verbundenen ars Dei legt nahe, die Ordnung der Schöpfung nicht als bloße Addition einzelner Ursachen, sondern als strukturiertes Gefüge zu verstehen. Die ars bezeichnet dabei nicht lediglich technische Fertigkeit oder einzelne schöpferische Akte, sondern ein vernünftig geordnetes System intelligibler Seinsprinzipien, durch das Entstehung, Ordnung und Einheit der sichtbaren Welt begründet werden. Sollten sich die rationes seminales als ein solches kohärentes System von Form- und Wirkkräften erweisen, könnte darin ein funktionales Äquivalent der platonischen Weltseele erkannt werden: eine geschöpfliche, materieimmanente Ebene, die zwar nicht selbst als Weltseele bezeichnet wird, aber deren zentrale Aufgabe übernimmt, die intelligible Ordnung in der körperlichen Welt zu verwirklichen. Auf diese Weise ließe sich die augustinische Schöpfungslehre als tiefgreifende Transformation der platonischen Ontologie verstehen, die deren hypostatische Struktur verändert, ihre grundlegenden kausalen Funktionen jedoch nicht notwendig aufgibt.
Vita:
Akademische Ausbildung:
- 06.2018: Abitur am Mariengymnasium Bocholt
- 10.2018-09.2026: Studium der Lateinischen Philologie und Philosophie an der Universität Münster:
- 10.2018-03.2024: 2-Fach-Bachelor Lateinische Philologie und Philosophie
- 04.2024-07.2026: Master of Education Lateinische Philologie, Philosophie, Bildungswissenschaften (Gesamtnote: 1,4)
- 10.2024-10.2026: Master of Arts Philosophie (Gesamtnote: 1,0)
- Seit 08.2026: Promotionsstudium im Fach Philosophie
Beruflicher Werdegang:
- 02.2022-01.2025: studentische Hilfskraft am Institut für Patristik und Neustestamentliche Textforschung an der Universität Münster (Leitung: Prof. Holger Strutwolf)
- 05.2023-12.2023: studentische Hilfskraft im Projekt „Heinrich Scholz Digitale Edition“ am philosophischen Seminar der Universität Münster (Leitung: Prof. Niko Strobach)
- 09.2023-04-2026: Tutorin für das Schreiben philosophischer Hausarbeiten (Schreibwerkstatt) am philosophischen Seminar der Universität Münster (Leitung: Ariane Filius)
- 02.2024-07.2026: studentische Hilfskraft am Lehrstuhl Prof. Christian Pietsch im Institut für Klassische Philologie Münster
- seit 08.2026: Mitarbeiterin und Doktorandin im DFG-Projekt „Deus Artifex und die fehlende Weltseele bei Augustinus“
Lehre:
- Seminar: Woher kommt das Böse (unde malum)? Texte zur Theodizee [086577]
[14.10.2026-03.02.2027 | Mit., 14:00 – 16:00 Uhr | wöchentlich | DPL 23.206] - Schreibwerkstatt:
- Tutorium (WiSe25/26) [082560]
- Tutorium (SoSe25) [080556]
- Tutorium (WiSe24/25) [088566]
- Tutorium (SoSe24) [086552]
- Tutorium (WiSe23/24) [084561]
- Seminar: Woher kommt das Böse (unde malum)? Texte zur Theodizee [086577]
Publikationen:
- Wie körperlich kann der verdammte Auferstandene leiden? Eine Untersuchung über das seelische und körperliche Leiden der Auferstandenen bei Thomas von Aquin in SCG IV, 90, in: Freiburger Zeitschrift für Philosophie und Theologie Vol. 72, Nr. 2. Münster 2025, S. 361–379.
Mitgliedschaften:
- GANPH (Gesellschaft für antike Philosophie)
- ISNS (International Society for Neoplatonic Studies)
- DGPhil (Deutsche Gesellschaft für Philosophie e.V.)
- Mommsen-Gesellschaft