







| Thema: | Deus artifex und die fehlende Weltseele. Zu den Kausalitäten der Weltentstehung bei Augustinus und ihren neuplatonischen Voraussetzungen |
| Kurzbeschreibung: | Die im Rahmen neuplatonischen Denkens im Wirklichkeitsaufbaus (Eines – Intellekt – Seele – Kosmos) fest verankerte Weltseele als unmittelbares Gestaltungsprinzip der sichtbaren Welt fehlt im Christentum. Angesichts der ansonsten platonischen Prägung Augustins ist dies erklärungsbedürftig, hängt doch die Valenz seiner eigenen Konzeption von ihrer sachlichen Stimmigkeit ab. |
| Förderung: | Deutsche Forschungsgemeinschaft |
| Projektlaufzeit: | 1.8.2026 – 31.7.2029 |
| Mitarbeiter: | Prof. Dr. Christian Pietsch (Projektleiter), Helena van Eden (DFG-finanzierte Doktorandin), Privatdozent Dr. Benedikt Krämer (assoziiert), Dr. Christian Hengstermann (assoziiert) |
| Berater: | Prof. Dr. Walter Mesch (Münster), Prof. Dr. Niko Strobach (Münster); Prof. Dr. Oliver Scholz (Münster); Prof. Dr. Reinold Schmücker (Münster) |
I. Problemstellung:
Im Sinne der seit Platon (428 – 348 v. Chr.) etablierten Metapher des welterschaffenden Gottes als eines Künstlers (δημιουργός/artifex) verstand auch der platonisch geprägte Kirchenvater Augustinus (354 – 430 n. Chr.) die Erschaffung der Welt als Ausdruck einer göttlichen Kunst (ars). Doch während der pagane Platonismus zwischen Gott und Welt eine Weltseele als vermittelnde Instanz wirksam sah, erweckt Augustinus, da er im Gegensatz dazu gerade keine Weltseele annahm, zunächst den Eindruck, eine andere Auffassung von der Wirklichkeitsstruktur vertreten zu haben, der zufolge der Schöpfergott unmittelbar auf die körperliche Welt einwirkt. Da der Kirchenvater durchaus platonisch geprägt war, ist dies nicht nur bemerkenswert, sondern auch erklärungsbedürftig, hängt doch die Valenz der augustinischen Konzeption von der Entstehung der Welt von ihrer sachlichen Stimmigkeit ab. Es gibt jedoch Indizien, daß genaue Beobachtung, wie die ars Gottes von Augustinus beschrieben wird, zu dem Ergebnis führen könnte, Augustinus habe die Systemstelle der platonischen Weltseele in abgewandelter Form durch Verschiebung ihrer Funktionen auf andere ontologische Ebenen bewahrt. Die christliche Lehre Augustins und die pagan-platonische Lehre von der Erschaffung der Welt kämen dadurch einander deutlich näher, als es der verbale Befund auf den ersten Blick erwarten läßt, ohne freilich völlig identisch zu werden. Dieses Ergebnis wäre nicht nur für das Verständnis Augustins und die Bestimmung seines Verhältnisses zum zeitgenössischen Neuplatonismus von besonderem Interesse, sondern auch für den weiteren Lauf der europäischen Geistesgeschichte, da die Diskussion um die Weltseele sich bis ins hohe Mittelalter durchhielt.
II. Geplante Forschungen
Um die unter I. beschriebene Zielsetzung erreichen zu können, sind folgende Forschungen erforderlich (s. auch unter ‚Publikationen‘):