Konstruktionen des Falschen
© Real Biblioteca del Monasterio del Escorial, Cantigas de nuestra señora, Códice rico, ms. T-I-1, f. 20v. Patrimonio Nacional

Untern dem Titel „Konstruktionen des Falschen: Fälschung und Fake im Mittelalter“ werden im Rahmen des 21. Symposiums des Mediävistikverbands vom 22. bis zum 25. Februar 2027 an der Universität Münster die Phänomene Falschheit, Fälschung und fake in interdisziplinärem Zugriff erkundet. 

Fälschungen zählen zu den klassischen Themen der Mediävistik. Für die historische Forschung bleibt es unerlässlich, die aus dem Mittelalter überlieferten schriftlichen und materiellen Zeugnisse mit strengem Blick auf ihre ‚Echtheit‘ zu prüfen. Das Symposium soll jedoch eine andere Perspektive auf Falschheit im Mittelalter einnehmen und zeitgenössische ‚Konstruktionen des Falschen‘ in den Blick genommen werden. Gefragt wird damit nicht nach Behauptungen, Texten oder Objekten, die aus heutiger Sicht falsch bzw. gefälscht sind, sondern danach, in welchen Kontexten und diskursiven Formationen die ‚Falschheit‘ von Objekten und Artefakten ('Fälschung') bzw. der falsche Schein von Akteuren und die bewusste Täuschung durch falsche Aussagen ('Fake') in den Kulturen des Mittelalters als solche konstruiert, ausgehandelt und kommuniziert wurde.

Wie Falschheit in ganz unterschiedlichen Feldern mittelalterlicher Gesellschaften ausgehandelt und ‚fabriziert‘ wurde, lässt sich nur in einer interdisziplinären Perspektive erforschen. Nach welchen Kriterien Fälschungen und Falschaussagen definiert und als solche zur Erscheinung gebracht werden, hängt von den spezifischen Diskursen und sozialen Kontexten ab, in denen Falschheit jeweils zugeschrieben und verhandelt wird. Welche spezifischen Formen von Falschheit überhaupt thematisiert und als relevant erachtet werden, kann in einem theologischen, rhetorischen, rechtlichen, wirtschaftlichen oder ästhetischen Diskursrahmen jeweils unterschiedlich ausfallen.

Diese Vielfalt an Evidenzkriterien, an diskursiven Regeln und epistemischen Bedingungen, die sich im Laufe des Mittelalters wandelten sowie regionale Besonderheiten aufwiesen, soll durch das Zusammenwirken von Geschichts- und Literaturwissenschaft, Kunstgeschichte, Musikwissenschaft, Theologie, Philosophie, Rechtsgeschichte, Judaistik, Islamwissenschaft, Byzantinistik und aller weiteren mediävistischen Disziplinen untersucht werden.

© Book of Hours, use of Sarum, British Library Egerton MS 2781, f. 1v

Konzept

Wen Sie sich dafür interessieren, welchen Zugriff das Symposium auf den Themenbereich von Fälschung und Fake im Mittelalter nehmen soll, finden Sie hier eine ausführlichere Beschreibung.

© Decretals of Gregory IX with gloss of Bernard of Parma, British Library Royal MS 10 E IV, f. 302v

Call for Papers

Für die Sektionen des Symposiums rufen wir zur Einreichung von Vorschlägen aus der mediävistischen Forschung auf. Der Call for Papers läuft bis zum 31. Mai 2026.

Programm
© Lorenzo de Voltolina, Liber ethicorum des Henricus de Alemannia

Programm

Für das Symposium konnten wir bereits drei Hauptredner:innen gewinnen. Das weitere Programm wird kontinuierlich ergänzt.

© Les Grandes chroniques de France, British Library Royal MS 16 G. VI, f.124r

Anmeldung

Die Anmeldung zum Symposium wird über ein Online-Anmeldetool erfolgen, das voraussichtlich im Herbst 2026 an dieser Stelle bereitgestellt wird.

© Chroniques de France ou de Saint Denis, British Library MS Royal 16 G. VI, f.415v

Tagungsräume

Das Symposium findet im Schloss Münster am Schlossplatz 2 statt. Für alle, die sich in Münster noch nicht so gut auskennen, gibt es hier Orientierungshilfen.

© Landesarchiv NRW Abteilung Westfalen, D 301u, 507

Ansprechpartner

Sollten Sie Fragen zum Symposium haben, stehen wir Ihnen gern zur Verfügung.