Wie ist es, ein religiöser Mensch zu sein?
Kurze Einführung in tiefentheologische Phänomenologie
DOI:
https://doi.org/10.17879/zpth-2025-9311Abstract
Der Beitrag entfaltet eine tiefentheologische Phänomenologie des Religiösen als eines Gewahrwerdens transzendenter Präsenz. Im Anschluss an die Neue Phänomenologie von Hermann Schmitz wird religiöses Erleben in seinem Ursprung als Widerfahrnis verstanden, in dem Leiblichkeit und Bewusstsein miteinander in Berührung kommen. Am Gleichnis vom barmherzigen Samariter wird solches Berührt- und Betroffensein veranschaulicht als eine Haltung der Compassion. Tiefentheologie beschreibt Haltungen dieser Art als Präsenzphänomene des Transzendenten. C. G. Jungs Konzept der Individuation liefert dazu einen entsprechenden Bezugsrahmen: Prozesse der Selbst-Gewahrwerdung geschehen im Spannungsfeld von Bewusstem und Unbewusstem als Umgang mit dem, was ruft und sich zugleich entzieht. In praktischer Konsequenz zielt Tiefentheologie auf eine literarische Tiefenhermeneutik (Alfred Lorenzer), deren präsentative Sprache Resonanzräume eröffnet, in denen Unsagbares wie Verdrängtes Gestalt gewinnen können.
The article develops a depth-theological phenomenology of religion as an awareness of transcendent presence. In dialogue with Hermann Schmitz’s New Phenomenology, religious experience is conceived in its origin as “Widerfahrnis”, where felt embodiment and consciousness touch. In the parable of the Good Samaritan, embodied affectedness becomes tangible as an attitude of compassion. Depth Theology describes such attitudes as phenomena of the transcendent. C. G. Jung’s concept of individuation offers an interpretive frame of reference in the process of self-awareness between the conscious and the unconscious — an encounter with what calls and, at the same time, withdraws. — In practical consequence, Depth Theology aims at a literary Depth Hermeneutics (Alfred Lorenzer), whose presentational language opens resonant spaces where the unsayable and the repressed can take form together.