Liquid church als Ereignis-Ekklesiologie. Über Verflüssigungsprozesse in Leben, Lehre und Kirche

  • Michael Schüßler Lehrstuhl für Praktische Theologie Liebermeisterstr. 12 D-72076 Tübingen

Abstract

Liquid church – diese Metapher ist der Versuch, Kirche in einer verflüssigten Gegenwart neu
zu beschreiben. Zunächst wird die Herkunft dieser Begrifflichkeit von Zygmunt Baumans
‚Liquid Modernity‘ über Pete Wards britischer und Kees de Groots niederländischer Adaption
in die Praktische Theologie bis zu Rainer Buchers Arbeiten rekonstruiert. Diese Diskurspositionen
fluider Kirchenbildung zeigen, was man mit der Verflüssigungsdiagnose auf welche
Weise in den Blick bekommt und wo die Probleme liegen. Entscheidend scheint, dass unter
den sozio-kulturellen Verflüssigungsphänomenen eine Veränderung unserer Zeithorizonte
von linearer Stabilität zu ereignisbasierter Drift liegt. Das verändert auch das, was sich an
pastoralen Orten wirklich ereignet, wie die Lebenswendefeier in Ostdeutschland und sozialräumliche
Pastoralprojekte sichtbar machen. Am Mündungsdelta der Liquid church wartet
eine Ereignis-Ekklesiologie, die den befreienden Ereignissen des Evangeliums zu trauen
beginnt, egal wo sie sich ereignen.


„Liquid church“: This metaphor is one attempt to describe the church in the new circumstances
of what some describe as fluid reality. This article reconstructs the origin of the term „liquid
church“ beginning with Zygmunt Baumann’s term „liquid modernity“ moving to the contributions
of Pete Ward, Kees de Groot and Rainer Bucher. These positions show in what ways
the church today can be benefitted by the concept of „liquid church“, and which questions
cannot be answered by it. „Liquid“ first and foremost describes a basic shift in the temporal
structure from linear stability to a drift from event to event. This also changes what occurs at
the locations where church takes place such as during the „Lebenswendefeier“ in the Eastern
part of Germany or in the projects of „Sozialraumorientierung“. When the river of „Liquid
Church“ goes to sea, an „Ecclesiology of Event“ is waiting that trusts the Gospel no matter
where it shows itself.

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