Projekte

  • Gebrauch und Verarbeitung von Herausstellungsstrukturen in gesprochener Sprache

    Im Zentrum dieses Vorhabens stehen syntaktische und diskurspragmatische Merkmale der linken Peripherie von Äußerungen. Am Beispiel ausgewählter Linksherausstellungsstrukturen soll untersucht werden, wie funktional motivierte syntaktische und informationsstrukturelle Strukturbildungsstrategien und Sprachverarbeitungsfaktoren zusammenwirken. Ein Beispiel dafür sind mehrfache Konjunktionen in verbfinalen Nebensätzen, wie in dem Satz: Die Spieler müssen vorne das Gefühl haben, dass, wenn ein Fehler passiert, dass dann hinten jemand ist (DeReKo, Saarbrücker Zeitung, 09.08.2012). Strukturen dieses Typs werden daraufhin untersucht, wie funktionale Faktoren (z.B. die Markierung informationsstruktureller Gegebenheiten) und Sprachverarbeitungsfaktoren (z.B. kognitive Entlastung) zusammenwirken. Die empirische Grundlage werden Korpusdaten und experimentell erhobene psycholinguistische Daten bilden.

    Das Projekt entsteht in Kooperation mit Prof. Dr. Sarah Schimke (LMU München).

    Freywald, Ulrike. 2020. Notes on the left periphery of V2 complement clauses in German: Complementiser drop and complementiser doubling. In Horst Lohnstein & Antonios Tsiknakis (Hg.), Verb Second – Grammar Internal and Grammar External Interfaces. Berlin, Boston: De Gruyter Mouton (Interface Explorations 34). 123-146. doi: 10.1515/9781501508141-004

  • Prosodic cues and pragmatic effects (ProsPrag)

    In diesem DAAD-geförderten Kooperationsprojekt mit der FU Berlin und der Waseda University Tokyo beschäftigen wir uns mit der Frage, wie die unterschiedliche prosodische Realisierung ein und desselben sprachlichen Ausdrucks seine pragmatische Interpretation bestimmen oder zumindest beeinflussen kann. Im ersten Projektjahr wurde der Bereich höflichkeitssensitiver Ausdrücke untersucht, konkret ging es dabei um pragmatische Effekte unterschiedlicher Realisierungen von vokativischem „du“, die mittels Wahrnehmungs- und Beurteilungsstudien ermittelt wurden. Im aktuellen, zweiten Jahr betrachten wir die morphologische Ebene. Im Fokus stehen komplexe Wörter, die aus zwei identischen Bestandteilen bestehen, wie z.B. „Buchbuch“ ‘ein Buch aus Papier, kein E-Book’ oder „jetztjetzt“ ‘in diesem Moment, nicht erst in ein paar Minuten’. Durch die Reduplikation wird die Semantik dieser Wörter auf die prototypischen Bedeutungsanteile des Simplex beschränkt. Anhand von Produktionsexperimenten wird erforscht, ob es für diese stark pragmatisch gestützte Interpretation prosodische Hinweise gibt, die sie von ‚gewöhnlichen‘ Determinativkomposita unterscheiden.

    Kooperationspartner: Waseda University Tokyo (Prof. Dr. Miki Ikoma), Freie Universität Berlin (Prof. Dr. Horst Simon)

    Förderung: DAAD, Projektnr. 57835014, Laufzeit: 2025 und 2026

    Freywald, Ulrike. 2015. Total reduplication as a productive process in German. Studies in Language 39(4). 905-945. doi: 10.1075/sl.39.4.06fre

    Zoske, Janel & Tanja Ackermann. 2026. Social relationship marking in German from a variationist perspective: Inter- and intra-individual variation in the use of vocatives and vocative-like NPs. Languages 11(5). 82. doi: 10.3390/languages11050082

  • Gesprochene Sprache im Ruhrgebiet

    Das Ruhrgebiet ist durch ein Kontinuum von standardnahen bis mehr oder weniger stark regiolektalen Sprechweisen geprägt. Zudem ist es seit jeher ein Ort von intensivem Sprachkontakt – die Kontaktsituationen reichen vom Aufeinandertreffen niederdeutscher und hochdeutscher Varietäten seit dem 16. Jahrhundert bis zur jüngeren und ganz aktuellen gesellschaftlichen Mehrsprachigkeit im Zuge binnendeutscher und globaler Migrationsprozesse. In diesem Projekt soll zum einen eine Bestandsaufnahme des heutigen sog. „Ruhrdeutschen“ erfolgen, zum anderen sollen linguistische Variablen identifiziert werden, die zur Konstruktion sozialer Identitäten dienen. Im Fokus stehen dabei vor allem morphosyntaktische und syntaktische Varianten und deren sozial-indexikalische Bedeutungen.

    Derzeit laufen Datenerhebungen, die zu einem Korpus gesprochener Spontansprache im Ruhrgebiet führen sollen, das Aufnahmen in verschiedenen Sprachsituationen umfasst. 

    Cirkel, Philipp. 2023. Funktionale und formale Eigenschaften von der- und die-Artikelformen im Ruhrdeutschen. Eine korpusbasierte Analyse. Niederdeutsches Jahrbuch 146. 132-168.

    Cirkel, Philipp. 2025. Variationsmuster der Kasusmorphologie. Eine Untersuchung am Beispiel der Regiolekte im Ruhrgebiet. Dissertation. Dortmund: TU Dortmund.

    Cirkel, Philipp & Ulrike Freywald. 2021. In Stadt und Stadt: Berlin und Ruhrgebiet im Vergleich. Linguistik online 110 (Themenheft „In Stadt und Land – Perspektiven variations- und soziolinguistischer Forschung“, hg. von Elisabeth Scherr und Arne Ziegler). 193-227. 10.13092/lo.110.8144

  • Gesprochene Sprache im Sprachkontakt: Verkaufsinteraktionen auf einem multilingualen Wochenmarkt in Berlin-Neukölln

    Der urbane Raum ist typischerweise von hoher sozialer und sprachlicher Diversität geprägt, was unter den Bedingungen von Sprachkontakt zur Herausbildung neuer sprachlicher Muster und Routinen oder aber auch zu einer Ausweitung bereits vorhandener Strukturen führen kann. Dies betrifft die grammatische Ebene ebenso wie z.B. die Wahl und Kombination von Sprachen oder die Verwendung von Anredeformen. Solche Prozesse werden am Beispiel von Verkaufsinteraktionen auf einem multilingualen Berliner Wochenmarkt untersucht, der sich im multiethnisch und multilingual geprägten Stadtteil Neukölln befindet und sowohl bei Berliner:innen als auch bei internationalen Tourist:innen sehr popluär ist.

    Das Vorhaben knüpft an das bereits abgeschlossene Projekt „Integration of linguistic resources in highly diverse urban settings: Stretching the limits of variability“ an (Leitung: Heike Wiese, HU Berlin, und Ulrike Freywald). Als Teilprojekt A01 war es von 2017 bis 2021 Teil des SFB 1287 „Limits of Variability in Language“ (Universität Potsdam).

    Duman Çakır, İrem & Ulrike Freywald. 2026. “Schöne Pyjama für Sie, Abla!” Forms of address in language contact: Usage patterns and pragmatics of address at a linguistically highly diverse street market in Berlin. In Heinz L. Kretzenbacher, Horst J. Simon & Christa Dürscheid (Hg.), “You can say you to me” Address in German. Amsterdam, Philadelphia: Benjamins. 199-222.

  • Promotionsprojekte

    • Caroline Reher: Satzverknüpfung im Kontakt. Ein Vergleich des Chiledeutschen mit anderen extraterritorialen Varietäten des Deutschen. Universität Münster (laufend)
      Gutachter:innen: Ulrike Freywald (Universität Münster), Christian Zimmer (TU Dortmund)
    • Philipp Cirkel: Variationsmuster der Kasusmorphologie. Eine Untersuchung am Beispiel der Regiolekte im Ruhrgebiet. TU Dortmund (abgeschlossen: September 2025);
      Gutachter:innen: Ulrike Freywald (Universität Münster), Christian Zimmer (TU Dortmund)