Was sind Zwangsstörungen?

Unter dem Begriff der Zwangsstörung versteht man eine sehr heterogene Symptomatik. Man unterscheidet zwischen reinen Zwangsgedanken sowie Zwangshandlungen. Beides ist gekennzeichnet durch unkontrollierbare Gedanken und/oder Impulse und Wiederholungen.

Zwangshandlungen kosten im Alltag sehr viel Zeit. Zudem sind sie teilweise von körperlichen Folgeerscheinungen (z.B. Hautprobleme bei übermäßigem Waschen) begleitet. Betroffene haben häufig ein starkes Bedürfnis danach, dass wirklich alles in Ordnung ist. Doch durch wiederholtes Ausführen wird die damit einhergehende Unsicherheit in der Regel größer statt kleiner.

Zwangsgedanken haben über Kulturen hinweg häufig ähnliche Inhalte (sexuelle, aggressive oder religiöse Inhalte). Diese sind für die Betroffenen unangenehm, sodass sie versuchen, sich dagegen zu wehren. Dadurch werden diese Gedanken aber in der Regel stärker statt schwächer.

Von Zwangsstörungen sind etwa 1-2 % der Bevölkerung betroffen. Frauen und Männer sind etwa gleich häufig betroffen, wobei Frauen eher Reinigungszwänge entwickeln, Männer hingegen eher Gedanken- und Symmetriezwänge. Für Zwangsstörungen scheint eine genetische Prädisposition vorzuliegen, die sich anhand erhöhter Aktivität in Hirnregionen für Verhaltensmuster und Gewohnheiten sowie erhöhter Fehlerverarbeitung zeigt. Ausgelöst werden Zwangsstörungen häufig durch akute oder dauerhafte psychische Belastungen.

Mit der Zwangsstörung einhergehende Beeinträchtigungen

Man unterscheidet verschiedene Symptombereiche, die einzeln, aber auch in Kombination auftreten können:

  • Reinigungs- und Waschzwänge: hier führen Kontaminationsängste zu Unbehagen und dies zu Wasch- und Reinigungsritualen; bei Unterbrechung müssen Rituale häufig von neuem durchgeführt werden
  • Kontrollzwänge: hier führen häufig Ängste,  eine Katastrophe auszulösen, dazu, dass der Herd, Wasserhähne, Fenster, Türen und/oder elektrische Geräte wiederholt kontrolliert werden
  • Wiederhol- und Zählzwänge: ebenfalls aus Angst, dass ansonsten etwas Schlimmes passieren könnte, müssen hier bestimmte (gedankliche) Handlungen in einer bestimmten Anzahl von Wiederholungen durchgeführt werden
  • Ordnungszwänge: hierbei legen Betroffene einen hohen Wert auf Symmetrie und Anordnung
  • Zwangsgedanken ohne Zwangshandlungen

Nach dem neuesten Diagnosesystem DSM-5 gehören Zwangsstörungen nun zum Bereich der Zwangsspektrumsstörungen, denen neben den Zwangsstörungen auch Impulskontrollstörungen wie die Trichotillomanie (Haare zupfen), die Dermatillomanie (Haut zupfen) und das Pathologische Horten (Sammeln) zugeordnet werden. Auch die Körperdysmorphe Störung (KDS) gehört zu den Zwangsspektrumsstörungen.

Davon zu unterscheiden ist die zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Hier halten sich Betroffene stark an Regeln und wirken recht rigide, haben in der Regel aber weder Zwangsgedanken noch –handlungen.

In der Regel verschwinden diese Symptome nicht von allein, sondern werden im Laufe der Zeit eher belastender, so dass die meisten Betroffenen  therapeutische Hilfe benötigen. Da diese Symptomatik oft von großer Scham begleitet ist, ziehen sich Betroffene häufig zurück und begeben sich erst spät in Therapie. Die Wirksamkeit kognitiver Verhaltenstherapie bei Zwangsstörungen ist jedoch gut belegt. Falls Sie sich in den Beschreibungen wiederfinden, möchten wir Sie ermutigen, sich an uns zu wenden. Wir können Ihnen die notwendige Beratung und ggf. eine Psychotherapie anbieten.