Seminar für Volkskunde/
Europäische Ethnologie

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Das 1954 gegründete Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie in Münster ist eines von 23 Universitätsinstituten der Fachrichtung Volkskunde/ Europäische Ethnologie/ Kulturanthropologie/ Empirische Kulturwissenschaft im deutschsprachigen Raum. Die Forschung und Lehre des Seminars widmet sich Erfahrungsformen und Lebenswelten der Alltagskultur mit dem Fokus auf Deutschland in seinen globalen Bezügen.

Themenschwerpunkte in Forschung und Lehre sind Familie und Verwandtschaft sowie populäre Kosmologien (z.B. Aberglaube). Dabei integriert das Seminar eine wissenschaftshistorisch reflektierte historisch-volkskundliche Anthropologie und Gegenwartsstudien in kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Der Alltag in unseren Augen – September 2014: mit Familieneigentum gegen die „stumme Mietwohnung“

2014-09 Familieneigentum

Wilhelm Heinrich Riehl: Die Familie (Die Naturgeschichte des Volkes als Grundlage einer deutschen Socialpolitik, Bd. 3), 3. Aufl. Tübingen 1861, S. 349 (Ausschnitt).

Wenn aktuell steigende Mietpreise und Wohnungsmangel diskutiert werden, kann ein Blick in die Geschichte von Wohnformen und Lebensweisen informativ sein: Seit dem 19. Jahrhundert mobilisierten konservative Theoretiker der bürgerlichen Gesellschaft das Ideal des Hauseigentums. Außerordentlich erfolgreich etwa war die Schrift „Die Familie“ von Wilhelm Heinrich Riehl, die 1855 erstmals und fortan in 16 weiteren Auflagen erschien. Der Autor verknüpfte Familienideal und privates Hauseigentum: Privateigentum sichere ständische soziale Ordnung, mithin Geschichte und Geschichtlichkeit der Familie überhaupt. Solche Orientierungen haben im 20. Jahrhundert breiten Zuspruch gefunden, weil die finanzielle Förderung des Einfamilienhausbaus zu Lasten verdichteten, städtischen Mietwohnungsbaus (und der zugleich betriebene Ausbau der Automobilindustrie) die Teilhabe der Arbeiterschaft am Wirtschaftswachstum der jungen BRD ökonomisch realisierte und kulturell repräsentierte. Die Raumplanung mit ihrer Kritik der Suburbanisierung, aber auch der demographische Wandel und neue Familienformen, welche heute eine flexiblere Gestaltung von Wohnraum erfordern, sind mit den Einfamilienhausgebieten als einer Erbschaft konfrontiert, deren Beharrungskraft auch historisch-kulturwissenschaftlicher Aufklärung und Forschung bedarf.

Solche historischen Bezüge, kulturellen Ideale und aktuellen Debatten sind Gegenstand meiner Lehrveranstaltung Verwandtschaft heute. Kulturanthropologische und historische Perspektiven im BA Kultur- und Sozialanthropologie in diesem Wintersemester.

Prof. Dr. Elisabeth Timm


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