Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie

Das 1954 gegründete Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie in Münster ist eines von 23 Universitätsinstituten der Fachrichtung Volkskunde/ Europäische Ethnologie/ Kulturanthropologie/ Empirische Kulturwissenschaft im deutschsprachigen Raum. Die Forschung und Lehre des Seminars widmet sich Erfahrungsformen und Lebenswelten der Alltagskultur mit dem Fokus auf Deutschland in seinen globalen Bezügen.

Themenschwerpunkte in Forschung und Lehre sind Familie und Verwandtschaft sowie populäre Kosmologien (z.B. Aberglaube). Dabei integriert das Seminar eine wissenschaftshistorisch reflektierte historisch-volkskundliche Anthropologie und Gegenwartsstudien in kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Der Alltag in unseren Augen – November 2015: EFH, irgendwo in NRW, 2015

2015-11 Efh _irgendwo In Nrw
Foto: Benjamin Wildholm

Wer wohnt wie im Einfamilienhaus? Aus welchen Gründen entscheiden sich Familien neu zu bauen oder eine Gebrauchtimmobilie zu kaufen? Obgleich ca. 15 Millionen Einfamilienhäuser in Deutschland bewohnt werden und sich diese Wohnform als Traum vieler beschreiben lässt, und obgleich Flächenverbrauch und Unflexibilität dieser Bau- und Wohnform in den Städten und Gemeinden problematisch geworden sind, gibt es bislang nur sehr wenig Forschung, die diese Lebenswelt untersucht.

Mit ihrer kulturwissenschaftlichen Perspektive wollen Katherin Wagenknecht und Benjamin Widholm auf dem   2. Forum Architekturwissenschaft in Darmstadt einen Beitrag zur wissenschaftlichen Diskussion über das Leben im Einfamilienhaus leisten. Sie präsentieren erste Teilergebnisse ihrer Projekte im BMBF-Forschungsverbund „Der Lauf der Dinge oder Privatbesitz? Ein Haus und seine Objekte zwischen Familienleben, Ressourcenwirtschaft und Museum“.

Den Untersuchungsgegenstand des Forschungsverbundes bilden Einfamilienhäuser, die entweder in den letzten zehn Jahren neu gebaut oder im gleichen Zeitraum als Altbestand gekauft und bezogen wurden. Im Fokus der Forschung stehen die sich in Planungs-, Bau- und Wohnprozessen artikulierenden Familien- und Wohnideale und deren praktische Umsetzung. Dabei rücken sowohl gebrauchte Materialitäten als auch gebrauchte Symboliken in den Blick. Die komparative Analyse neu gebauter und gekaufter Immobilien mit ethnographischen Methoden gibt Einblick in tradierte und aktuelle Dynamiken einer Lebensform.