Seminar für Volkskunde/
Europäische Ethnologie

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Das 1954 gegründete Seminar für Volkskunde/Europäische Ethnologie in Münster ist eines von 23 Universitätsinstituten der Fachrichtung Volkskunde/ Europäische Ethnologie/ Kulturanthropologie/ Empirische Kulturwissenschaft im deutschsprachigen Raum. Die Forschung und Lehre des Seminars widmet sich Erfahrungsformen und Lebenswelten der Alltagskultur mit dem Fokus auf Deutschland in seinen globalen Bezügen.

Themenschwerpunkte in Forschung und Lehre sind Familie und Verwandtschaft sowie populäre Kosmologien (z.B. Aberglaube). Dabei integriert das Seminar eine wissenschaftshistorisch reflektierte historisch-volkskundliche Anthropologie und Gegenwartsstudien in kulturwissenschaftlicher Perspektive.

Der Alltag in unseren Augen – Oktober 2014: Die Ökonomie von Erntedank

2014-10 Oekonomie

Quelle: Bildarchiv der Volkskundlichen Kommission für Westfalen - Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Fotograf: Martin Egbert; Ibbenbüren)

Es ist Herbst und die Medien berichten von einer überdurchschnittlich guten Ernte. Aus dem Reservoir der christlichen Überlieferung stammt das Ritual des Erntedanks: Jährlich am ersten Oktobersonntag schmücken Feldfrüchte, Brote und Erntekronen Prozessionen und Messen sowie Erntewagen. In kulturanthropologischer Perspektive kann Erntedank als eine Form von Ökonomie untersucht werden, bei der sichtbare und unsichtbare Gaben getauscht werden: Die Gläubigen vergelten die Feldfrüchte als Teil von Gottes Schöpfung mit Dankbarkeit als Gegengabe. Das Darbringen von Feldfrüchten symbolisiert die Rückgabe eines Teils der Ernte, der sakrale Kontext macht so ein ökonomisches Gut zu einer Gabe. In der historischen und aktuellen Alltagspraxis hat das Erntedankfest unterschiedliche Akzente erhalten: die Sorge vor Hunger nach schlechter Ernte in der vorindustriellen Zeit, die politische Mobilisierung des Erntedanks und die Positionierung von Erntekronen als Formelement eines „deutschen Brauchs“ in der NS-Zeit, der ökologische Gedanke des Schutzes der Natur oder die Frage nach der weltweiten Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums heute. In meiner Publikation zu dem Thema habe ich die religiöse Variante dieses Rituals als eine Technik einer moralischen Ökonomie untersucht.

Publikation zum Thema: Murawska, Oliwia: Die Ökonomie von Erntedank. Feldfrüchte als Güter und Gaben. In: Rheinisch-westfälischen Zeitschrift für Volkskunde 56 (2011), S. 89-109. 


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