Esteban Sanchino Martinez

„Pumping Blood“. Drastik als kulturelles Paradigma der Populärkultur.

Sanchino

Das Dissertationsvorhaben möchte in Anlehnung an Dietmar Daths "Die salzweißen Augen. Vierzehn Briefe über Drastik und Deutlichkeit" analytisch zu einer Ästhetik populärkultureller Drastik vordringen. Durch die Verknüpfung von kulturpoetisch-textualistischen und kultursoziologischen Theoremen soll Drastik als ein ästhetisches Grundprinzip einsichtig gemacht werden, das von konventionellen Genregrenzen nicht festgelegt ist. Mit dem Begriff der ‚Drastik’ können tiefgehende erzähltheoretische und ästhetische Gemeinsamkeiten künstlerischer Erzeugnisse – zum Teil ganzer Genres – zusammengedacht werden, die unter den etablierten ästhetischen Kategorien zergliedert würden: Was zwischen Horror, Pornografie, Gewalt, dem Grauen, Bösen, Obszönen und dem überstrapazierten Erhabenen oszilliert, kann durch den Begriff ‚Drastik’ nicht nur integriert, sondern präzisiert werden. Drastik verfügt über semantische Valeurs, die Elemente wie Deutlichkeit, Wirksamkeit oder Intensität aufgreifen, so dass mit diesem Begriff strukturelle Verbindungen aufgedeckt werden können, ohne in eine irreführende Rhetorik traditioneller ästhetischer Kategorien zu verfallen.
Drastische Kunst stellt überdies seit den kulturindustriellen Umwälzungen der 1980er Jahre einen wichtigen Teil der westlichen Kulturproduktion dar und ist deshalb besonders für die gegenwärtige interdisziplinäre Popkulturforschung von enormer Bedeutung. Drastik als Stilprinzip ist konstitutiv für eine Reihe postmoderner, kulturindustrieller Produkte, die einerseits zwar der Popkultur angehören, andererseits in den meisten Theorien zur Popkultur nur unzureichend mitgedacht werden und eine semiotisch-moralische Problemzone zwischen unbedenklichem Mainstream und ‚hochkulturellem’ Avantgardismus repräsentieren. Im Mittelpunkt der Analyse stehen Werke, die als massenwirksame und zugleich gesellschaftspolitisch umstrittene Paradigmen drastischer Kunst gelten können, wie etwa Bret Easton Ellis' American Psycho, Lucio Fulcis Splatterfilme und Songtexte aus dem Bereich des Heavy Metal.

Fach: Komparatistik
Betreuer: Prof. Dr. Moritz Baßler und Prof. Dr. Mark Stein

Lebenslauf

seit 2011 Doktorand der Graduate School Practices of Literature
04/2007 - 10/2009 Studienstipendiat der Rosa-Luxemburg Stiftung
2007 - 2009 Studentische Hilfskraft am Germanistischen Institut der WWU Münster am Lehrstuhl Prof. Dr. Achim Hölter
2004 - 2009 Magisterstudium der Philosophie, Deutschen Philologie und Soziologie an der WWU Münster
2004 Abitur
1984

geboren

Vorträge und Publikationen

2016 "Zwischen Evidenz, Ereignis und Ethik. Konturen einer Ästhetik und Poetik des Drastischen" [Im Druck].
2016

"Zur Etablierung des Metal als Subfeld der erweiterten Produktion" [Im Druck].

2015 "Der Garten der Pfade, die sich trennen. Über Borges’ ‚postmoderne‘ Schreibweise und ihre soziokulturellen Implikationen." In: Promotionskolleg Literaturtheorie als Theorie der Gesellschaft (Hg.): Literatur-Macht-Gesellschaft. Neue Beiträge zur theoretischen Modellierung des Verhältnisses von Literatur und Gesellschaft. Heidelberg: Universitätsverlag Winter, 2015, S. 343-375.
2015 "Über die Bedingungen des herrschenden Formalismus im philologischen Diskurs." In: Daniel Alder/Markus Christen/Jeanine Hauser/Christoph Steier (Hg.): Inhalt. Perspektiven einer categoria non grata im philologischen Diskurs. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2015, S. 39-51.
2014 "The Logic of Metallica out of the Spirit of the Drastic: Reflections on Serious Writing in Popular Culture." In: Paul Ferstl und Keyvan Sarkhosh (Hg.): Quote, Double Quote. Aesthetics between High and Popular Culture. Amsterdam/New York: Rodopi 2014, S. 179-197.
2014 "Wirklichkeitserfahrung in der Massenkultur." In: polar., Zeitschrift für politische Philosophie und Kultur, Nr. 16, 2014, S. 29-35.
09/2013 "Drastik als Paradigma der Populärkultur". Vortrag im Rahmen der Tagung "Ästhetik des Drastischen", Alfried Krupp Wissenschaftskolleg Greifswald.
06/2013 „Zur Etablierung des Heavy Metal als Subfeld der erweiterten Produktion“. Vortrag im Rahmen der Tagung „Hard Wired III. Heavy Metal and Society”, Institut für Musiksoziologie, mdw – Universität für Musik und darstellende Kunst Wien.
01/2013 „Der Heavy Metal als Narrativ des Drastischen“. Vortrag im Rahmen der Tagung „Was
erzählt Pop? Narrative und Archive der Populärkultur", Universität
der Künste Berlin.
09/2012 „Die Degradierung des Inhalts als Autonomisierungsstrategie“. Vortrag im Rahmen der Tagung „INHALT - Perspektiven einer categoria non grata im philologischen Diskurs“, Deutsches Seminar der Universität Zürich.
05/2011 “Die Logik Metallicas aus dem Geiste des Drastischen”. Vortrag im Rahmen der Tagung „From Arthouse to Grindhouse - and back? Wechselbeziehungen zwischen Hoch- und Populärkultur“, Filmarchiv Austria, Wien.