Rückkehr nach damals

Frank Weyen

Abstract


Emotionalität wird häufig, beispielsweise in Stellenausschreibungen für Pfarrpersonen, mit Lebensnähe,
Lebendigkeit, Begeisterungsfähigkeit oder auch als Einfühlsamkeit umschrieben. In diesen Begriffen
wird die Erwartung dokumentiert, dass Gottesdienste eher das Gefühl als die Ratio ansprechen
sollten. Neben der darin implizierten Unterstellung, dass in herkömmlichen Gottesdiensten scheinbar
ein mangelhafter Unterhaltungswert erkennbar sei, was als fehlende Lebensnähe missdeutet wird,
sollen als Lösung dieses konstruierten Problems emotional ansprechende Gottesdienste eben beides
bedienen: Gefühl und Ratio. Hier wird eine erste Problemanzeige im Verständnis des Gottesdienstes
als eine Unterhaltungsveranstaltung zwecks Vermittlung von Lebensnähe deutlich. Der Autor fragt
daher danach, wie das menschliche Gehirn auf gottesdienstliches Geschehen emotional reagiert. Dazu
könnten neurowissenschaftliche Forschungen interdisziplinär auch der Theologie eine Heuristik an die
Hand geben, um für die gottesdienstliche Praxis zu verstehen, was die Menschen zu finden suchen,
wenn sie kirchliche Veranstaltungen besuchen. Daraus ergibt sich, dass Menschen gelingende Beziehungen
auch in der Kirchengemeinde suchen, um eine bessere Selbstwirksamkeit und, daraus folgend,
ein subjektiv stärkendes Wohlgefühl im weitesten Sinne eines ‚bien-être‘ zu erlangen. Dazu
können einerseits die vertikal-transzendentale individuelle Gemeinschaft mit Gott, andererseits die
horizontal-soziale Geselligkeit untereinander in der Kirchengemeinde verhelfen. Es wird in einem heuristischen
Sinne dargestellt, wie körpereigene Opiate zu einem solchen Glücksgefühl beitragen können,
zu dem Menschen dann immer wieder gern emotional durch unterschiedlichste Handlungen
zurückkehren dürften. Dies wäre dann als eine ‚Rückkehr nach Damals‘ zu verstehen. Ferner soll in
einem weiteren Schritt eine heuristische Herangehensweise entfaltet werden. Dieses hermeneutische
Konzept wird mithilfe neurowissenschaftlicher Erkenntnisse als eine ‚Heuristik der Emotion‘ dargestellt.
Emotionality is often described, for example in job advertisements for pastors, as a near-lifebehaviour,
enthusiasm, or also as empathy in worship service. In all terms used, it is expected that
worship services should appeal to the emotions rather than the ratio. In addition to the insinuation,
which is reflected in a lack of entertainment value and misinterpreted as a lack of life, emotionally
appealing worship services are meant to transport both: emotions and ratios. This indicates a first
problem: in the understanding of the worship as an entertainment event for the mediation of life. The
author asks, therefore, how the human brain is emotionally governed by participation in religious
worship. One thesis is that neuroscientific research could interdisciplinarily provide theology with a
heuristic to understand for the practice of worship what people are looking for when they visit ecclesiastical
or worship. As a result, people are looking for successful relationships in local churches in
order to achieve a better self-efficacy and, consequently, a subjectively strengthening ‚well-being‘ in
the widest sense of a 'bien-être'. On the one hand, the vertical-transcendental individual relationship
with God, on the other hand, can contribute a horizontal-social socialization among the community in
church. It is describes in a heuristic sense, how ‚body-like opiates‘ (hormones) can contribute to such a
sense of happiness, to which people are always able to return emotionally through various actions within the parish. That is, what we call an emotional ‚return to yesterday‘. Furthermore, a heuristic
approach is to be developed. This hermeneutic concept is presented as a "heuristic of emotion"
using neuroscientific insights.

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