Konferenzen
27.11.2010:
"The Intervention of the Single Individual. Religion, Politics, Aesthetics based on Kierkegaard", Universität Kopenhagen
Konferenzprogramm
Sentimentalität und Grausamkeit.
Poetische (De-)Figurationen von Emotion und Emotionslosigkeit in der literarischen Moderne Skandinaviens und Deutschlands
Internationale Konferenz am Institut für Nordische Philologie /Skandinavistik,
Westfälische Wilhelms-Universität Münster, 26.–28. November 2009
Konferenzprogramm als Flyer (PDF)
Die literarische Gestaltung von Emotionen, Affekten, Stimmungen ist für die Literatur der Moderne keine Selbstverständlichkeit. Der dissoziierte moderne Erzähler kann oder will Gefühle nicht mehr unmittelbar ausdrücken, sondern pflegt eine Ästhetik der Distanz, die sich bis zu grausamer Passivität steigern kann. Gleichzeitig forciert eine immer weiter fortschreitende Modernisierung das Bedürfnis nach nicht-rationalem, sentimentalisch-gefühlvollem „Welt- und Selbsterleben“, nach „Affektivität“ und „Leidenschaft“. Wie unter diesen Voraussetzungen Emotion und Emotionslosigkeit literarisch gestaltet, welche Emotionskonzepte entworfen und über welche Erzählinstanzen sie an den Leser vermittelt werden, soll auf der Konferenz untersucht werden.
Der konkrete Anlass einer solchen Konferenz liegt in einem doppelten Jubiläum begründet: Das Jahr 2009 ist nicht nur ein Knut Hamsun-Nachdenkjahr, sondern auch ein Hans Henny Jahnn-Jubiläumsjahr. Und für beide Autoren ist die Frage nach dem Umgang mit Emotion und Emotionslosigkeit von paradigmatischer Bedeutung. Denn ob nun Hamsuns Leutnant Glahn angesichts eines vertrockneten Astes in sentimentalische Tränen ausbricht oder Jahnns Perrudja Gewalt als vitale Notwendigkeit lebt, immer ist es das ganze, und vor allen Dingen das große Gefühl, das auf dem Spiel steht. Doch die scheinbare Authentizität dieser Gefühle erweist sich schnell als poetisch konstruiert und medial gebrochen. Das explizit nicht-humane, ästhetizistische, sie selbst stimulierende Gebaren der Figuren und Erzähler lässt sowohl Sentimentalität wie Grausamkeit als literarische Überbietungsstrategien sichtbar werden, die humanistisch-moralisches Denken radikal in Frage stellen. Wie diese Infragestellung ästhetisch, anthropologisch oder politisch zu bewerten ist, ist eine offene und spannende Frage. Die Konferenz möchte sich dieser Frage stellen und untersuchen, wie und mit welchen Konsequenzen das Spiel der Gefühle in der Literatur der Moderne ästhetisch wie ethisch gespielt wird.
Für Nachfragen stehen wir jederzeit und gerne zur Verfügung!
Planung und Organisation:
Prof. Dr. Sophie Wennerscheid
Phd-student Anna Frewer
Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Institut für Nordische Philologie/ Skandinavistik
Robert-Koch-Str. 29
48149 Münster
Kontakt:
Sophie.Wennerscheid@uni-muenster.de
annafrewer@gmx.de
