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Jerusalem
Bait-Hamaaloth c/o Weidenfeld
Mull Meschutaff

23. Juni 42

Sehr liebreicher Heiliger Vater
in Rom

Die Segenswünsche des lieben Heiligen Vaters begleiten mich stets durch Jerusalem. So gerne hätte ich, Euch, Heiliger Vater, oftmals Blumen aus den Gärten der frommen Stadt gesandt oder ein kleines Tempelsteinchen vom Bauplatz Gottes; darauf vor tausend Jahren ein Tempel gestanden. Das ganze Jerusalem, dünkt mich ist der einstige Bauplatz Adonai’s. [12r]

Aber augenblicklich ists leichter: Freude zu senden in den Himmel als in andere Erdteile.

Liebreicher, Heiliger Vater, ich kann gar nicht mehr schlafen; bitte nachts für die armen, armen Soldaten, die sterbend auf den Schlachtfeldern schmachten, aus welchem Heere auch; viele sind ja unschuldig Kämpfende.

Liebreicher Heiliger Vater, ich liege schon Wochen in der Nacht auf den Steinen meines Zimmers, ein kleines Opfer, das ich der Blutsӳnthflut bringe; einen Tropfen meines Herzens, damit mich der liebe Heilige Vater in Rom erhöre. [Gemalter Davidstern] Der unvergeßliche [13r] Armenapostel: Karl Sonnenschein, der mir jedesmal vom Nuncius erzählte, bittet mit uns. So fühle ich.

Liebreicher Heiliger Vater, da ich alleine diesen Brief schreibe, weiß nicht, ob ich zuwider handele – der Politik der Länder in Europa. Aber steht denn nicht: Erbarmen, Heiliger Vater, höher und gottgefälliger auf dem Plan der Welt wie Ehrgeiz und Rachlust; und mich dünkt, mit der Güte verwandelt man die Welt wieder in ein Paradies.

Heiliger lieber Vater, rettet „unser“ aller Menschen Europas schönes Italien! Auf einer der Seiten meines Buches: Die Hebräischen Balladen [14r] steht gedruckt: Meine Mutter blickte immer auf Venedig.

Meine Mutter war und ist mir der Stern meines Lebens und mein schöner Junge, der mir gestorben. Einmal sagte er zu mir, es war in Zürich, dahin ich in der Nacht flüchtete: „Das ist so: Nun nennt man mich: Engel Paul“.

Ich bin so traurig im Herzen.

Heiliger Vater, rettet auch meinen Indianerfreund. Vielleicht darf ich so sagen – den Duce, den Oberoberoberprimaner; er liebte meine Verse und er nannte mich in seiner Botschaft immer den Prinzen Jussuf von Theben. Der bin ich in vielen Büchern. Und der Duce war es, der mich, Verscheuchte tröstete. [15r]

Er holte mich aus der Grube der Hyänen – erhöhte meinen Glauben wieder – wie einst Ruben an Joseph tat. In tiefster Wahrheit, Heiliger lieber Vater, der Duce ist gut; die Sorge um die ärmste ital. Bevölkerung machte ihn ungerecht und – aber ich liebe alle indianische Freundschaftstreue und nie vergesse ich, was der Duce für mich tat, sein Schiff brachte mich nach Jerusalem, wie schwer auch mein Herz getroffen! Mein „armes“ immer immer beschuldetes Volk, hat er plötzlich tötlich beleidigt. Aber ich erkannte den Duce einst und halte meine Treue ihm. Ich sende ihm Mut. Heiliger Vater, hier sind viele liebe gute Menschen, wir suchen uns zu trösten. Heiliger Vater, ich lege meine bittenden Hände in Euren Schooß. Eure Dichterin, Karl Sonnenscheins Freundin

Else Lasker-Schüler

Archivio Apostolico Vaticano, Carte Pio XII, Segreteria Privata, Posizione 8, Corrispondenza, Busta 23, Fascicolo 4, fol. 11-15.