„Angewandte Ontologie“, ein ungewöhnliches Begriffspaar. Ist Ontologie nicht eigentlich nutzlos? Tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahrzehnten das Gegenteil herausgestellt. Angewandte Ontologie hat sich seit den 90er Jahren als ein eigenständiges Forschungsfeld etabliert, das klassische ontologische Fragestellungen mit Informatik, Wissensrepräsentation und Künstlicher Intelligenz verbindet. Formale Ontologien bilden heute die Grundlage zahlreicher Wissenssysteme und spielen eine zentrale Rolle bei der Strukturierung, Integration und maschinellen Verarbeitung von Daten.
Das Seminar gliedert sich in drei aufeinander aufbauende Teile. Im ersten Teil orientieren wir uns auf der Landkarte der angewandten Ontologie. Wir untersuchen, wie und wo Ontologien heute eingesetzt werden, welche Rolle Top Level Ontologien, Wissensgraphen und das Semantic Web spielen und weshalb Ontological Engineering zu einer eigenständigen Disziplin zwischen theoretischer Philosophie und Computerwissenschaft geworden ist.
Im zweiten Teil steht der Aufbau von Ontologien im Mittelpunkt. Am Beispiel der Basic Formal Ontology (BFO) werden Architektur, Modellierungsprinzipien und Best Practices der Ontologieentwicklung vorgestellt. Dabei werden sowohl philosophische Grundlagen, etwa Realismus, Fallibilismus oder Adäquatismus, als auch praktische Fragen der Entwicklung und Strukturierung von Domainontologien, wie das Open-World-, das Reuse- oder das Low-Hanging-Fuit- Principle behandelt.
Im dritten Teil wird das Seminar zur Werkstatt. Hier nehmen wir das „angewandt“ richtig ernst! Gemeinsam mit Ingo Frank vom SCDH lernen die Teilnehmenden eine professionelle Ontologie Entwicklungsumgebung kennen und entwickeln projektorientiert eine eigene kleine Domainontologie. Ziel ist es, die zuvor erarbeiteten theoretischen Grundlagen unmittelbar anzuwenden und einen Einblick in die praktische Arbeit des Ontological Engineering zu gewinnen. |