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Das Seminar behandelt die Rolle der Wissenschaft in den beiden großen totalitären Ideologien des 20. Jahrhunderts: Nationalsozialismus und Kommunismus. Beide Bewegungen verstanden sich als „wissenschaftlich begründet“ und nutzten Wissenschaft als zentrales Mittel zur
Legitimation politischer Herrschaft. Zugleich griffen sie massiv in die Autonomie der Forschung ein, verdrängten unerwünschte Theorien und formten ein ideologisch kontrolliertes Wissenschaftsverständnis.
Anhand historischer Texte, programmatischer Schriften und
zeitgenössischer Analysen untersucht das Seminar, wie Wissenschaft im Dienst der Ideologie funktionalisert wurde. Dabei werden sowohl wissenschaftsfeindliche Tendenzen (z. B. Ablehnung der „jüdischen Physik“ im Nationalsozialismus, Unterdrückung „bürgerlicher“
Sozialwissenschaften im Kommunismus) als auch Formen des Wissenschaftsenthusiasmus (z. B. Technik-, Rassen- und Raumfahrtideologien, marxistische Theorie als „wissenschaftlicher Sozialismus“) analysiert.
Diskutiert wird, wie diese Systeme den Anspruch auf Wahrheit und Erkenntnis politisch umdeuteten, welche epistemischen Standards an die Stelle wissenschaftlicher Selbstkontrolle traten und inwiefern Wissenschaft zum ideologischen Symbol oder Herrschaftsinstrument wurde.
Ziel des Seminars ist es, ein vertieftes Verständnis dafür zu
entwickeln, wie wissenschaftliche Rationalität unter ideologischen Bedingungen transformiert wird – und welche institutionellen, normativen und erkenntnistheoretischen Voraussetzungen wissenschaftliche Freiheit in offenen Gesellschaften erfordert. Das Seminar richtet sich an
Studierende mit Interesse an Wissenschaftsphilosophie, Ideengeschichte und politischer Theorie. |