|
Münster (upm/bn)

"Ich bin kein Bewohner des Elfenbeinturms"

Germanistin wirbt Promotionskolleg der Hans-Böckler-Stiftung ein
Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf<address>© WWU</address>
Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf
© WWU

Peter Handkes Buch "Ich bin ein Bewohner des Elfenbeinturms" spielt ironisch mit Vorurteilen gegenüber Literatur und Literaturtheorie. Ganz bestimmt keine Bewohnerin des Elfenbeinturms ist die Germanistin Prof. Dr. Martina Wagner-Egelhaaf, die bei der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung das Promotionskolleg "Literaturtheorie als Theorie der Gesellschaft" eingeworben hat. Finanziert werden sechs Doktorandinnen und Doktoranden, die bis zu drei Jahre Zeit haben, ihre Promotion abzuschließen. Zwei weitere Stipendien sind von der Stiftung in Aussicht gestellt. Das Kolleg wird seine Arbeit zum nächsten Sommersemester aufnehmen.

"Wir vertreten den Anspruch, dass wir als Literaturwissenschaftler und -wissenschaftlerinnen wissen, wie erzählerische Texte funktionieren, und dadurch auch die Kompetenz haben, gesellschaftliche Narrative zu verstehen", verdeutlicht die Germanistin. Narrative sind Erzählungen, die sich die Gesellschaft berichtet, um sich selbst zu verstehen. Ein Beispiel dafür: Geschichten von gelungener Integration, wie sie in den Medien immer wieder transportiert werden. "Was der Mensch mehrfach hört, das hält er für richtig", erklärt Martina Wagner-Egelhaaf. "Wenn man etwas realistisch erscheinen lassen will, muss man es nur oft genug wiederholen."

Gesellschaft ist immer auch Teil der Literatur. Umgekehrt spielen bestimmte literaturtheoretische Kategorien wie "Fiktion" oder "Symbol" auch im gesellschaftlichen Kontext eine Rolle. "Die bei uns entstehenden Doktorarbeiten sollen immer auf ihre gesellschaftliche Relevanz reflektiert werden", sagt Prof. Wagner-Egelhaaf. "Aber Literatur ist auch mehr als gesellschaftliche Relevanz." Mögliche Themen für eine Promotion wären beispielsweise die Rolle des Volkes bei Goethe oder die Frage, wie die Gegenwartsliteratur nach dem Ende des klassischen Feminismus Geschlechterverhältnisse behandelt.

Die Stipendiatinnen und Stipendiaten sind eingebunden in die uniinterne Graduiertenschule "Practices of Literature", die den Praxisbezug schon im Namen trägt. Bewerbungen sind bis zum 1. September möglich, ausgeschrieben sind die Stellen international: "Wir wollen die besten Leute bekommen", betont Martina Wagner-Egelhaaf.

Links zu dieser Meldung