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Münster (upm/ch)

Reiseweg in vergangene Jahrtausende

Deutsche Forschungsgemeinschaft bewilligt archäologisches Projekt zur Dokumentation der Kulturlandschaft im Sudan
Tim Karberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter im &quot;W.A.D.I.&quot;-Projekt, bei der Feldarbeit im Sudan<address>© WWU</address>
Tim Karberg, wissenschaftlicher Mitarbeiter im "W.A.D.I."-Projekt, bei der Feldarbeit im Sudan
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Am Institut für Ägyptologie und Koptologie der Universität Münster nimmt das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) mit knapp 360.000 Euro geförderte Forschungsvorhaben "Wadi Abu Dom Itinerary (W.A.D.I.)" seine Arbeit auf. Übersetzt bedeutet der Titel "Reise-Route entlang des ausgetrockneten Flussbettes ('Wadi') Abu Dom". Die Wissenschaftler wollen durch eine archäologische Geländebegehung im Verlauf des Wadi Abu Dom im Sudan sämtliche historischen menschlichen Hinterlassenschaften systematisch erfassen. Um die historische Kulturlandschaft in ihrer Gesamtheit zu erforschen und zu dokumentieren, arbeiten die Archäologen mit Geoinformatikern, Geophysikern, Architekten und Geografen zusammen.

"Wir wollen alle in der Region vertretenen Epochen der Menschheitsgeschichte berücksichtigen", erklärt Projektleiterin Prof. Dr. Angelika Lohwasser. Archäologe Tim Karberg ergänzt: "Besonderes Augenmerk legen wir auf mögliche Hinterlassenschaften der in dieser Gegend vermuteten 'Kuschitischen Königsstraße'. Sie verband die beiden alten Hauptstädte Napata und Meroe ab 900 vor Christus etwa 1300 Jahre lang quer durch die Halbwüste Bayuda." Das Projekt wurde bereits in drei Vorkampagnen von den Wissenschaftlern vorbereitet.

Gemeinsam mit dem Institut für Geoinformatik der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) haben die Archäologen ein Navigations- und Datenerfassungsprogramm erarbeitet. Es ist speziell an die Anforderungen archäologischer Geländebegehungen in unzugänglichen Gebieten angepasst und wurde im Sudan bereits bei der Projektvorbereitung erprobt. Es soll auf geländetauglichen "Taschencomputern" (PDA) nun erneut zum Einsatz kommen und weiter entwickelt werden. "Unser Ziel ist es, die umfassende Kartierung einer Kulturlandschaft mit all ihren anthropogenen Elementen auf dem neuesten Stand der Technik zu gewährleisten", sagt Angelika Lohwasser.

Im Wadi Abu Dom liegen einige an der Geländeoberfläche deutlich sichtbare, aber dennoch bislang kaum oder gar nicht erforschte ausgedehntere Ruinen, die im Zusammenhang mit der Nutzung des ehemaligen Flussbettes als Verkehrsweg stehen könnten. Andere archäologische Spuren liegen unter der Erdoberfläche verborgen. Flächige Ausgrabungen sind im Rahmen des Projektes jedoch nicht geplant. Gemeinsam mit Forschern des Instituts für Geowissenschaften der Christian-Albrechts-Universität in Kiel wollen die Münsteraner daher mithilfe eines Bodenradars und eines sogenannten Geomagnetometers, welches Störungen des Erdmagnetfeldes misst, archäologische Befunde sichtbar machen, die sich an der Erdoberfläche nicht abzeichnen.

Zusätzlich ist eine Kooperation mit Geografen der Fachhochschule Eberswalde sowie der Universität zu Köln geplant. Sie werden die Feldforschung gemeinsam mit den Archäologen vor allem auf der Basis von Satellitenbildern vorbereiten und auch während der Geländebegehungen mitarbeiten.  Dadurch wollen die Forscher Wechselwirkungen zwischen natürlichen Landschaftselementen und ihrer Nutzung durch den Menschen als Verkehrsweg und Siedlungsraum untersuchen.

"Neben der Forschungsarbeit soll das Projekt auch der praxisnahen Ausbildung der Studierenden des Instituts für Ägyptologie und Koptologie dienen", betont Angelika Lohwasser. "Die Heranführung der Studierenden an die Feldforschung ist integraler Bestandteil des DFG-Projektes. Dazu zählen die Vorbereitungsphase der Forschungskampagnen, die Auswertung der Ergebnisse in Münster und die Mitarbeit im Gelände."

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