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Münster (upm/ja)

Entwicklungs- und pädagogische Psychologen tagen erstmals an WWU

11. bis 14. September / Themen sind unter anderem Internet, Lernstörungen und Zuwanderungsgesellschaft
Die PAEPSY 2017 findet im Fürstenberghaus statt.<address>© WWU Münster</address>
Die PAEPSY 2017 findet im Fürstenberghaus statt.
© WWU Münster

Pädagogische Psychologen und Entwicklungspsychologen kommen ab Montag, 11. September, zum ersten Mal zu einer gemeinsamen Tagung an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) zusammen. Veranstalter sind Psychologen der WWU. Die rund 800 Experten für psychologische Aspekte in Kindheit, Schule und Elternhaus wollen sich zum Beispiel austauschen über den Umgang mit Lernstörungen, mit dem Internet und über das Leben in einer Zuwanderungsgesellschaft. Aus Anlass der Konferenz beantworten drei Psychologen Fragen zu ihren Forschungsfeldern.

Prof. Dr. Elmar Souvignier – WWU-Arbeitseinheit Diagnostik und Evaluation im schulischen Kontext

Frage: Sie forschen im Bereich der Pädagogischen Psychologie zur Diagnostik und zur Förderung des Lernens in der Schule. Die Schule ist immer ein Thema, das viele bewegt, Bildungsfragen sind häufig heftige Streitfragen. Wird es auf der Tagung um Forschungsergebnisse gehen, die unmittelbar die Schulpraxis betreffen?

Prof. Souvignier: Lern- und Aufmerksamkeitsschwierigkeiten, Rechenstörungen und Lese-Rechtschreibprobleme sind klassische Herausforderungen, vor denen viele Kinder, Lehrkräfte und Eltern stehen. Während aktuelle Diskussionen um die Umsetzung von Inklusion oder den Wechsel von G8 zu G9 eher abstrakt auf strukturelle Lösungen setzen, liegt ein Schwerpunkt pädagogisch-psychologischer Forschung bei konkreten Förderkonzepten, zum Beispiele Fragen wie: Worin liegen die Ursachen von Lernstörungen? Wie sieht eine kindgerechte Prävention im Vorschulalter aus? Wenn es nun um eine gezielte Unterstützung von Vorschulkindern geht, erwiesen sich beispielsweise Gesellschaftsspiele als geeignet. Eine kindgerechte und alltagsintegrierte Förderung ist auf diese Weise bereits im Kindergarten möglich. Bei der Förderung für Schulkinder fällt auf, dass vermehrt computerbasierte Programme zum Einsatz kommen. Vorteile dieses Ansatzes liegen darin, dass den Kindern individuell Aufgaben mit passender Schwierigkeit angeboten werden und eine unmittelbare Rückmeldung zu den Lösungen gegeben werden kann. In diesem Sinne stellt der Computer eine praktische Entlastung von Lehrkräften bei der individuellen Förderung dar.

Prof. Dr. Joscha Kärtner WWU-Arbeitseinheit Entwicklungspsychologie

Frage: Sie forschen zur Entwicklung von Kindern und dabei insbesondere zur Bedeutung kultureller Erfahrungen. Die Menschen hierzulande befinden sich derzeit inmitten eines Umbruchs zu einer echten Zuwanderungsgesellschaft in Deutschland: Welche Herausforderungen bedeutet dies für die Psychologie?

Prof. Kärtner:
Viele aktuelle Programme und Konzepte in der pädagogischen Psychologie und Entwicklungspsychologie suchen nach Wegen, um die erfolgreiche Anpassung an die bestehende Praxis in Bildung und Erziehung zu fördern. Davon haben sich einige Programme bewährt, denn sie führen nachweislich zu besser gelingenden Bildungs- und Entwicklungsprozessen. In der aktuellen Forschung und Praxis wird allerdings auch zunehmend die umgekehrte Richtung in den Blick genommen: Wie können wir die aktuelle Praxis anders denken und gestalten, so dass sie der kulturellen Vielfalt unserer Gesellschaft Rechnung trägt? In diesen Ansätzen geht es darum, dass wir uns vergegenwärtigen, welche Ziele und Werte wir - oft unausgesprochen - in der Praxis von Erziehung und Bildung verfolgen. Es geht auch um eine Auseinandersetzung und Positionierung im Spannungsfeld zwischen den Werten und Zielen, die wir vertreten, und dem Bemühen, Raum für die Kulturen Anderer zu lassen. Das alles sind zentrale Themen, mit denen sich an der WWU auch das "Münsteraner Beratungslabor" sowie die Forschungsinitiative "PARI" mit Fragen der Flüchtlingsintegration beschäftigen.

Prof. Dr. Marc Stadtler Uni Bochum/Arbeitseinheit Kompetenzentwicklung und Kompetenzmodellierung

Frage: Sie forschen zum "Lesen im Internet". Dort informieren sich immer mehr Menschen. Aber was ist das Besondere daran, und warum ist es ein Thema bei der Psychologie-Tagung?

Prof. Stadtler: Die Bürger nutzen das Internet via Computer, Smartphone oder Tablet, wenn sie Entscheidungen für das eigene Leben treffen oder sich eine Meinung zu gesellschaftlichen Diskursen bilden wollen. Zum Beispiel Fragen wie: Machen künstliche Süßstoffe in Lebensmitteln krank? Ab wann darf man Kinder mit dem Tablet spielen lassen? Was können wir gegen den Klimawandel unternehmen? Das Internet bietet heutzutage einen zuvor nicht da gewesenen Zugriff auf Wissenschaftsinformationen. Bereits Kinder und Jugendliche nutzen das Internet zu Informationszwecken für Hausaufgaben oder Referate. Daher ist die Digitalisierung von Bildungsprozessen in (Hoch-)Schule und Freizeit Tagungsthema. Ziel der Forschungsbemühungen ist es, besser zu verstehen, was das Besondere des Lesens in digitalen Informationsumwelten ist und welche Kompetenzen zum Sucherfolg im weltweiten Netz führen.

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