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Münster (upm)

Im LWL-Museum für Naturkunde verbinden Studierende Nebenjobs mit Aus- und Weiterbildung

Arbeiten zwischen Tieren und Planeten
Stephanie Funke nimmt Tiere für die zoologische Sammlung des Naturkundemuseums ins Archiv und die digitale Datenbank auf.<address>© WWU/Friederike Stecklum</address>
Stephanie Funke nimmt Tiere für die zoologische Sammlung des Naturkundemuseums ins Archiv und die digitale Datenbank auf.
© WWU/Friederike Stecklum

Auf dem Rand des Computerbildschirms hockt ein Chamäleon, neben der Tastatur sitzen eine Wildkatze und eine Eule einträchtig beisammen. Was wie ein kurioser Zoo anmutet, ist der Arbeitsplatz der studentischen Volontärin Stephanie Funke. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass Katze und Eule ausgestopft sind und das Reptil eine Nachbildung ist. Auf einem Tisch neben der Tür stapeln sich präparierte Fischköpfe, die auf ihre Inventarisierung warten. Das ist eine der Aufgaben von Stephanie Funke. Sie nimmt die Tiere für die zoologische Sammlung des Naturkundemuseums des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe (LWL) ins Archiv und in die digitale Datenbank auf.

"Ich inventarisiere die Tiere, die die Präparatoren gerade fertiggestellt haben, oder auch Präparate aus Sammlungsauflösungen", sagt Stephanie Funke. Jedes Tier bekommt eine eigene Nummer, die mit den wichtigsten Anhaltspunkten – wie etwa dem Funddatum und dem Namen des Finders des Tieres – in die Datenbank eingetragen wird. "Manchmal muss ich auch erst herausfinden, was für ein Tier vor mir sitzt. In diesen Fällen ist Spürsinn gefragt – zum Glück können mir auch die Wissenschaftler des Museums weiterhelfen."

Für die Studentin ist das der beste Job, den sie sich neben dem Landschaftsökologiestudium vorstellen kann. "Ich bin den Tieren nah, auch wenn sie nicht mehr leben. Es ist faszinierend, was ich hier zu sehen bekomme. Gleich zu Beginn waren beispielsweise über 80 Zentimeter große Königsriesenhörnchen dabei, die ich gar nicht kannte", schwärmt sie. Eine Kommilitonin, die vorher auch am LWL-Museum arbeitete, erzählte ihr von dem Nebenjob. Stephanie Funke war sofort Feuer und Flamme. "Ich habe ihr gesagt, dass sie an mich denken soll, sobald eine Stelle frei wird. Netterweise hat sie mir Bescheid gesagt."

Nun arbeitet sie zehn Stunden pro Woche neben ihrem Master als studentische Volontärin im Museum. Das Volontariat dauert so lange wie ihr Studium und ist als Aus- und Weiterbildung sowie als Nebenjob gedacht. In vielen Museen sind Volontariate als zusätzliche Ausbildung nach dem Studium angelegt. "Wenn ich in der Museumslandschaft bleiben will, müsste ich erst promovieren und zusätzlich ein wissenschaftliches Volontariat machen", erklärt Stephanie Funke. Ihre jetzige Tätigkeit bereitet sie allerdings sehr gut darauf vor. Gerade die Arbeit an der Sammlung ist ein großer Pluspunkt.

Claudia Schmitz studiert Geowissenschaften und arbeitet als studentische Volontärin im Planetarium.<address>© WWU/Friederike Stecklum</address>
Claudia Schmitz studiert Geowissenschaften und arbeitet als studentische Volontärin im Planetarium.
© WWU/Friederike Stecklum
Sie ist nicht die einzige studentische Mitarbeiterin, die im LWL-Museum mit anpackt. Im Gegenteil – es gibt eine Reihe von Studierenden, die an vielen Stellen aus- und mithelfen. Sie schreiben beispielsweise ihre Abschlussarbeiten in Kooperation mit dem Museum, wirken an Ausstellungen mit oder unterstützen das Planetarium. Beispielsweise Claudia Schmitz – die Masterstudentin steckt gerade in den Vorbereitungen für eine neue Show über Planeten im Planetarium des LWL-Museums. Die Geowissenschaftsstudentin ist die erste studentische Volontärin dort und ergänzt mit ihrem Planetologie-Schwerpunkt das Team aus Astrophysikern am LWL-Planetarium.

In der Planeten-Show, die ab dem 6. Juni zu sehen ist, wird es am Ende einen regelmäßig aktualisierten Teil geben. Dafür sucht Claudia Schmitz weltweite Forschungsergebnisse über Planeten heraus. "Damit lockern wir das feste Vorführungsformat auf. Außerdem überlege ich mir, wie die Inhalte anschaulich vermittelt werden können", sagt sie. Bevor die neue Show beginnt, hilft sie außerdem bei der Recherche nach Bildern für eine Ausstellung vor dem Planetarium und bearbeitet diese. "Die Bilder faszinieren mich immer wieder. Es ist unfassbar, was wir von fernen Welten sehen können, so als wäre man ganz nah dran. " Die Arbeit im Planetarium selbst hielt einige Herausforderungen für sie bereit. Immerhin sorgen 27 Computer dafür, dass Bilder auf die 20 Meter breite Kuppel projiziert werden. "Und das lässt sich nicht mal eben mit einem Knopfdruck anmachen. Ich habe eine Weile gebraucht, bis ich mir merken konnte, wie viele Schalter ich umlegen und Schlüssel ich umdrehen muss, bis alles hochgefahren ist", erzählt sie.

Für beide Volontärinnen ist die Arbeit im Museum mehr als nur ein Nebenjob und ein echter Gewinn. Die Begeisterung dafür steckt an, wie Stephanie Funke versichert: "Ich war mit einem Kommilitonen in unserer zoologischen Sammlung. Für ihn war das wie Weihnachten und Ostern zusammen, als ich ihm Tiere zeigen konnte, die er schon immer mal sehen wollte."

Autorin: Friederike Stecklum

Dieser Artikel stammt aus der Universitätszeitung "wissen|leben" Nr. 3, 24. Mai 2017.

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