Dr. Tobias Temming


E-Mail-Adresse: t.j.temming@uni-muenster.de

Tobias Temming

Lebenslauf

Tobias Temming wurde 1980 in Osnabrück geboren und studierte im Magisterstudiengang Neuere deutsche Literatur und Medien, Neuere und Neueste Geschichte sowie Politikwissenschaften an der Philipps-Universität Marburg. Während des Studiums verbrachte er Auslandssemester an der Universität von Amsterdam und der Universität Granada. Ergänzend absolvierte er Praktika im Europäischen Parlament in Brüssel und der deutschen Botschaft Lima in den Bereichen Entwicklungszusammenarbeit sowie Bildung und Kultur. In seiner im September 2007 vorgelegten Magisterarbeit beurteilt Herr Temming den Erkenntniswert der politischen Essays und Reden Thomas Manns für die heutige Faschismusforschung. Nach seinem Studienabschluss (M.A.) arbeitete er unter anderem als freier wissenschaftlicher Mitarbeiter für einen Bundestagsabgeordneten in Berlin.

English version

Dissertationsthema

Film – Widerstand – Geschichte. Mediale Repräsentationen des Widerstands im niederländischen und deutschen Spielfilm 1945–1965.


Das hier skizzierte Forschungsvorhaben untersucht Visualisierungsformen des antifaschistischen Widerstands in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten des niederländischen und deutschen Kinos als Segmente eines filmischen kulturellen Gedächtnisses. Als soziokultureller Kontext der Untersuchung dienen dabei zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse in Bezug auf die kollektive Erinnerung an den Widerstand im Zweiten Weltkrieg in den Niederlanden und Deutschland.

Schon bald nach Kriegsende entbrannten in den Öffentlichkeiten beider Länder breit geführte Debatten über die Rolle des Widerstands gegen den Nationalsozialismus für die jeweilige nationale Erinnerung und Geschichte. Im Ergebnis entstanden zwei nationale aber vergleichbare Widerstandsmythen, die als Bestandteile der dominierenden nationalen Erinnerungskulturen wichtige legitimierende Funktionen innerhalb ihrer Nachkriegsgesellschaften übernahmen. Bis heute ist der antifaschistische Widerstand als „Erinnerungsort“ von zentraler Bedeutung für das kollektive Gedächtnis in beiden Ländern.
Sowohl niederländische als auch deutsche Filme der 40er, 50er und 60er Jahre, die den Widerstand thematisieren, spielen innerhalb dieser Diskurse eine zentrale Rolle. Filmische Bilder vermögen es, über eine wirkungsvolle Ästhetik des Dargestellten, Wahrnehmungs- und Deutungsrahmen zu modulieren, innerhalb derer Menschen Geschichte wahrnehmen und mit sozialem Sinn versehen. Auf der individuellen Ebene eignet sich der Film in besonderem Maße als Ressource für persönliche Deutungsmöglichkeiten von Geschichte und als Orientierungspunkt zur Einordnung der eigenen Erfahrungen und Sichtweisen in einen historischen Kontext. Auf der kollektiven Ebene kann der Film als Katalysator für zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse in Bezug auf Erinnerungskulturen fungieren. Im vorliegenden Fall steht die Verständigung in Bezug auf ein zwischen „Volksverrat“ und „Heldentum“ schwankendes Geschichtsbild vom Widerstand im Mittelpunkt der Untersuchung.

Acht ausgewählte Filme dienen als Fallbeispiele der vergleichenden Untersuchung der filmischen Visualisierungsformen von Widerstand. Es sind Produktionen wie Rademakers Als twee druppels water (1963) oder Harnacks Am 20. Juli (1955), die heftige emotionale Reaktionen provozierten, da sie mit den dominierenden Vorstellungen brachen und damit zu Neuverhandlungen gängiger Geschichtsbilder beitrugen.

Das Anliegen des Dissertationsprojektes ist es, zentrale Darstellungsformen und Deutungsangebote der Widerstandsdarstellungen in den ausgewählten Filmen herauszuarbeiten und im skizzierten historischen Verständigungsprozess zu kontextualisieren. Da der Film als ästhetisches Produkt jedoch selbst Ergebnis einer komplexen Entstehungsgeschichte verschiedenster zivilgesellschaftlicher Akteure ist, darf sich die Studie nicht allein auf eine vergleichende ästhetische und kontextuelle Analyse der Widerstandsrepräsentationen beschränken. Soweit die Quellenlage dies ermöglicht, werden daher zusätzlich relevante, einander bedingende Ebenen der Werkstrukturen sowie Quellen der zeitgenössischen Rezeption berücksichtigt. Soweit nachweisbar, wird die Studie in diesem Zusammenhang auch versuchen Elemente einer möglichen transnationalen Verständigung aufzuzeigen, die auf die Rezeption ausgewählter Filmproduktionen im jeweiligen Nachbarland verweisen.

Neben den Filmen als Primärquelle stützt sich die Forschung auf verschiedene weitere Quellengattungen. Filmkritiken und Kommentare in lokalen und regionalen Zeitungen und Fachzeitschriften dienen als Grundlage zur Annäherung an die Rezeption. Filmnotizen, Pressehefte, sonstiges Werbematerial und Drehbücher bilden die Basis des Quellenbestands auf der Produktionsebene. Sie werden ergänzt durch in Nachlässen überlieferte Ego-Dokumente der Regisseure und vereinzelt erhalten gebliebener Korrespondenz der Produktionsfirmen mit anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren.

English version

Publikationen

Bücher und Beiträge:

  • Temming, Tobias (2011): Rezension zu: Alie Noorlag, Ein Leben lang geschwiegen.Zeugnisse ehemaliger Mitglieder der niederländischen NationalsozialistischenBewegung (NSB) und ihrer Familien, Oldenburg 2010, in: Jahrbuch des Zentrums für Niederlande-Studien 22, Münster, S. 197-202.
  • Temming, Tobias (2010): Film – Widerstand – Geschichte. Mediale Repräsentationen des Widerstands im niederländischen und deutschen Spielfilm 1945-1968, in: Jahrbuch des Zentrums für Niederlande-Studien 20 (2009), Münster, S. 198–201.
  • Temming, Tobias (2010): Rezension zu: Ad Vaessen, Deutsche unter Niederländern. Erfahrungen in der neuen Heimat, Münster 2009, in: Jahrbuch des Zentrums für Niederlande-Studien 20 (2009), S. 232–235.
  • Temming, Tobias (2008): „Bruder Hitler“? Zur Bedeutung des politischen Thomas Mann. Essays und Reden aus dem Exil, Berlin.

Rezensionen online (Auswahl):

  • Temming, Tobias (2009): Die Welt am Scheideweg. Wertvolles Sachbuch oder Ökokrimi?, Onlineversion.
  • Temming, Tobias (2008): Obama Rising Star. Christoph von Marschalls Biografie des amerikanischen Präsidentschaftskandidaten, Onlineversion.
  • Temming, Tobias (2007): Vom Suchen und nicht finden.
    Benjamin Kunkels Debütroman als pathologische Diagnose einer prekären Generation, Onlineversion.
  • Temming, Tobias (2006): Schiller vs. Holocaust? Mit Schillers Schreibtisch durch die Zeit, Onlineversion.
  • Temming, Tobias (2003): Warten unter Barbaren. Bölls Briefe aus dem Krieg 1939-1945, Onlineversion.
  • Temming, Tobias (2001): Vassilis Alexakis' Spurensuche nach dem Epsilon, Onlineversion.
  • Temming, Tobias (2001): Geisterzug in den Tod. Jürg Altweggs Beitrag zu einem unverarbeitetem Kapitel der Kriegsgeschichte, Onlineversion.

Stand: 27. November 2011

Vorträge

  • (2013) „Competing Memories. Myth, Conflicts and Taboos in Dutch Memory Culture after 1945”. Vortrag am 15. März 2013, auf dem vom HL-Senteret Oslo und der Freien Universität Berlin veranstalteten Workshop From Patriotic Memory to a Universalistic Narrative. Shifts in Norwegian Memory Culture after 1945 in Comparative Perspective in Oslo.
  • (2012) „Breaking the Wall of Sustainable Housing in the Amazonas Region”. Vortrag am 8. November 2012, auf der von A.T. Kearney initiierten internationalen Nachwuchskonferenz Falling Walls Lab 2012 in Berlin. 
  • (2011) „From The Desert Fox to Jackboot Mutiny. The filmic memory of German anti-fascist resistance as a transnational endeavour?. Vortrag am 27. Oktober 2011, auf dem vom History Department der University of Texas at Arlington, dem College of Liberal Arts, der Barksdale Lecture Series und der Transatlantic History Student Organization (alle Arlington) veranstalteten Twelfth Annual Graduate Student Symposium on Transatlantic History zum Thema Film and History in Arlington (TX). 
  • (2011) „Remembrance and Amnesia or Identity and Trauma? Visual history of anti-fascist resistance in German and Dutch post-war cinema 1945 – 1965”. Vortrag am 1. April 2011, auf dem vom Center for War Studies des Trinity College Dublin veranstalteten CWS Seminar Series Methodologies in the Study of War in the Twentieth Century in Dublin.
  • (2010) „Widerstand – Geschichte – Film. Mediale Heldendarstellungen im niederländischen und deutschen Spielfilm 1945-2000. Vortrag am 09. Juli 2010, auf der vom Deutschen Historischen Institut Paris und der Universität Paris-Sorbonne (Paris IV) veranstalteten Summer School zum Thema Towards a European Society? Convergence and Divergence in 20th Century Europe in  Andé und Paris.


Impressum | Datenschutzhinweis | Barrierefreiheit | © 2020 Forschungsgruppe Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse
Forschungsgruppe Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse
Alter Steinweg 6/7
· D-48143 Münster
Tel: +49 251 83-28511 · Fax: +49 251 83-28520