Dr. Christina May


E-Mail-Adresse: c.may@uni-muenster.de

Christina May

Lebenslauf

Christina May, war von März 2009 bis August 2010 am Graduiertenkolleg als Post-Doktorandin tätig. Im akademischen Jahr 2010/2011 ist sie John F. Kennedy Memorial Fellow am Center for European Studies (Harvard).

Geboren wurde Christina May 1980 in Dortmund, sie studierte von 1999 bis 2005 Kulturwissenschaften, Anglistik und Geschichte an den Universitäten Bremen, East Anglia und Leipzig. Nach ihrem Studienabschluss wurde sie Stipendiatin am DFG-Graduiertenkolleg „Generationengeschichte. Generationelle Dynamik und historischer Wandel im 19. und 20. Jahrhundert“ an der Georg-August-Universität Göttingen. In ihrer soziologischen Dissertation beschäftigte sie sich mit der Frage, inwiefern wohlfahrtsstaatliche Institutionen Generationen prägen können. Dabei wurde ein besonderes Augenmerk auf die Verhandlung von Wohlfahrtsgenerationen in öffentlichen Diskursen gelegt. Die Arbeit wurde mit dem Wolfgang-Enke-Preis der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Göttingen für das Jahr 2009 ausgezeichnet. Seit März 2009 ist Christina May Postdoktorandin am Graduiertenkolleg „Zivilgesellschaftliche Verständigungsprozesse“. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Sozialpolitik, Sozialtheorie, historische Soziologie sowie Methoden der komparativen Sozialforschung.

English version

Forschungsprojekt

Armut als Diskursphänomen. Prozesse der Verwissenschaftlichung und des transnationalen Austauschs im Kontext der „sozialen Frage“ um 1900.

Die gesellschaftliche Sicht auf Armut ist immer als Gegenstand (sozial-) wissenschaftlicher und politischer Aushandlungsprozesse zu verstehen. Dabei werden gesellschaftliche Werte thematisiert, die die jeweilige Sicht auf das Armutsproblem konstruieren und strukturieren. Das vorliegende Projekt untersucht solche Aushandlungsprozesse in Diskursen von sozialreformerischen Expertenvereinigungen um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert im Deutschen Kaiserreich und in den Niederlanden. In den Dekaden um 1900 wurde in beiden Ländern nach neuen Ideen und Lösungsansätzen dafür gesucht, wie mit der gesellschaftlichen Transformation zur Lohnarbeitsgesellschaft und dem daraus resultierenden Armutsproblem umzugehen sei.

In diesem Zusammenhang verfolgt das Projekt drei zentrale Forschungsinteressen. Erstens soll mithilfe einer Diskursanalyse erforscht werden, wie das Problem der Armut von zentralen zivilgesellschaftlichen Akteuren im je national spezifischen Kontext als solches erkannt wird, welche Definitionen und Abgrenzungen vorgenommen werden und welche Lösungen zur Eindämmung oder Beseitigung des Armutsproblems angeführt werden. Zum Zweiten sollen die Verwissenschaftlichung der Armutsforschung und der Aufstieg der sozialwissenschaftlichen Experten untersucht werden. Der Wert „Wissenschaftlichkeit“ schafft neue Sichtweisen auf das Problem der Armut, die sich mitunter nur schwer mit der normativen Perspektive philanthropisch motivierter Sozialreformer vereinbaren lassen. Gleichzeitig ist davon auszugehen, dass die Ansprüche einer neuen „Wissenschaftlichkeit“ – in Deutschland dezidiert der „Werturteilsfreiheit“ – die Perspektive auf die soziale Frage verändern. Dabei sind drittens die Debatten zwischen den jeweiligen nationalen Experten nicht etwa als autonome, voneinander unabhängige Diskurse zu betrachten, es hat im Gegenteil vermutlich einen vielfältigen Ideentransfer zwischen ihnen gegeben. Im vorliegenden Projekt werden deshalb besonders die Austauschprozesse zwischen deutschen und niederländischen Armutsdiskursen berücksichtigt, die vor dem Hintergrund der unterschiedlichen nationalen Kontexte als besonders aufschlussreich für die jeweils verfolgten nationalen Strategien gegen Armut erscheinen.

English version

Publikationen

  • May, Christina (2010): Generation als Argument. Konflikte um die Rentenversicherung in Deutschland, Großbritannien und den Niederlanden, Frankfurt/New York: Campus. (Verlagsinfo)
  • May, Christina (im Erscheinen): Rentnerberg und Altenlast. Die diskursive Verhandlung demographischer Zukunftsszenarien in modernen Wohlfahrtsstaaten, in: Sokoll, Thomas (Hg.): Soziale Sicherungssysteme und demographische Wechsellagen in historisch-vergleichender Perspektive (1500-2000), Berlin u.a.: Lit-Verlag.
  • May, Christina (2009): Rentnerkohorten und soziale Ungleichheit. Fakt und Fiktion generationeller Prägungen im Wohlfahrtsstaat, in: Bohnenkamp, Björn/Manning, Till/Silies, Eva-Maria: Generation als Erzählung. Neue Perspektiven auf ein kulturelles Deutungsmuster, Göttingen: Wallstein, S. 226-242.
  • May, Christina (2007): Reziprozität zwischen Generationen im Wohlfahrtsstaat, in: Marten, Carina/Scheuregger, Daniel (Hg.): Reziprozität undWohlfahrtsstaat. Analysepotential und sozialpolitische Relevanz, Opladen & Farmington Hills: Verlag Barbara Budrich, S. 147-171.
  • May, Christina (2007): Generation(en) 1957? Die Rentenreform als Ausgangspunkt einer Kohortenprägung im Nachkriegsdeutschland, in: Deutsche Rentenversicherung 2-3/2007, S. 143-157.

Lehraufträge

  • WS 2009/10: „American and German Politics: Electoral Campaigns and Political Leadership in Comparative Perspective“, Hauptseminar am Institut für Politikwissenschaften, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, gemeinsam mit der Political Science and Law Faculty, University of Wisconsin-Parkside, Online
  • SS 2009: „Grundbegriffe der Sozialpolitik“, BA-Standardkurs am Institut für Politikwissenschaften, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
  • SS 2009: „Wohlfahrtsstaatliche Entwicklung in Europa seit 1945“, Hauptseminar am Institut für Soziologie, Georg-August-Universität Göttingen
  • WS 2008/09: „Generationentheorie – Konzept und Kritik im interdisziplinären Vergleich“, Oberseminar am Graduiertenkolleg Generationengeschichte, Georg-August-Universität Göttingen
  • WS 2007/08: „Generationen in der Sozialforschung“, Hauptseminar am Institut für Soziologie, Georg-August-Universität Göttingen

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