Studieninfo zum Fach Geographie

Abschluss: Zwei-Fach-Bachelor (polyvalentes Studium für eine fachwissenschaftliche oder auf ein Lehramt an Gymnasien/Gesamtschulen oder für zwei allgemeinbildende Fächer an Berufskollegs bezogene Ausbildung)

Stand: 17.08.2017


Inhalt
  1. Portrait des Fachs
  2. Anforderungen an Studieninteressierte
  3. Berufs- und Tätigkeitsfelder
  4. Struktur und Aufbau des Studiums
  5. Hinweise zur Studien- und Prüfungsordnung
  6. Literaturhinweise



1. Portrait des Fachs


1.1 Geschichte und Methoden


Aktuelle geographisch und geowissenschaftlich relevante Phänomene und Prozesse, wie z. B. Globalisierung, Klimawandel, Erdbeben, Hochwasser und Stürme, aber auch Bevölkerungsentwicklung, Migration, Disparitäten und Ressourcenkonflikte, prägen unser Leben und unsere Gesellschaft auf dem Planeten Erde in vielen Bereichen. Der Umgang mit diesen komplexen Entwicklungen erfordert eine Anpassung bisheriger Verhaltensweisen und Handlungsstrategien auf der Grundlage von fundiertem Sachwissen, Urteilsfähigkeit sowie Problemlösungskompetenz, z. B. in den Bereichen Umweltschutz, Risikovorsorge, Stadt- und Raumplanung, Wasserversorgung, wirtschaftliche Entwicklung und entwicklungspolitische Zusammenarbeit. Weil die genannten Prozesse ihre Dynamik aus den Wechselwirkungen zwischen naturgeographischen Gegebenheiten und menschlichen Aktivitäten erhalten, können diese Qualifikationen insbesondere durch eine Verknüpfung von naturwissenschaftlicher und gesellschaftswissenschaftlicher Bildung aufgebaut werden. Gerade hier besitzt die Geographie ihr besonderes fachliches Potential. Naturwissenschaftliche Bildung macht natürliche Phänomene erfahrbar und verstehbar; sie setzt sich zugleich mit den spezifischen Methoden naturwissenschaftlicher Erkenntnisgewinnung und deren Grenzen auseinander. Gesellschaftswissenschaftliche Bildung ermöglicht das Verständnis sozialer, politischer und wirtschaftlicher Ereignisse, Strukturen und Prozesse; sie umfasst auch die Beschäftigung mit gesellschaftswissenschaftlichen Methoden.

Der spezielle Beitrag des Faches Geographie zur Welterschließung liegt in der Auseinandersetzung mit den Wechselbeziehungen zwischen Natur und Gesellschaft in Räumen verschiedener Art und Größe. Damit ist es zum einen das Schulfach, das sich zentral mit der Kategorie Raum beschäftigt, zum anderen verbindet es natur- und gesellschaftswissenschaftliches Wissen und ist somit Brückenfach zwischen diesen Wissenschafts- und Bildungsbereichen. (aus Deutsche Gesellschaft für Geographie (2012): Bildungsstandards im Fach Geographie für den Mittleren Schulabschluss mit Aufgabenbeispielen. Berlin, S. 5)



1.2 Lehr- und Forschungsschwerpunkte


Für die hochgradig vernetzten Fragestellungen im Spannungsfeld von Mensch und Umwelt bieten die Geowissenschaften mit ihrer fachlichen Vielfalt und Kompetenz ein zukunftsweisendes Cluster für die wissenschaftliche Expertise. Der Fachbereich 14 (Geowissenschaften) der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster spielt in diesem Zusammenhang mit seinem breit gefächerten Spektrum eine besondere Rolle in Forschung und Lehre verglichen mit ähnlichen Fachbereichen in Deutschland und Europa. Er ist im nationalen Vergleich exzellent platziert und viele seiner Forschungsgruppen zählen international zu den führenden, einige sogar zu den weltweit besten Gruppen ihres Faches. Dieses manifestiert sich u. a. in exzellenten wissenschaftlichen Publikationen, einem außergewöhnlich hohen Drittmittelaufkommen, einer hohen Zahl von nationalen und internationalen Forschungsprojekten und Netzwerken sowie einer hohen Anzahl von internationalen Gastwissenschaftlern.

Der Fachbereich 14 (Geowissenschaften) umfasst als Forschungszentrum für raumbezogene Fragestellungen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster folgende sieben Institute: Institut für Didaktik der Geographie, Institut für Geographie, Institut für Geoinformatik, Institut für Landschaftsökologie, Institut für Geologie und Paläontologie, Institut für Mineralogie und Institut für Planetologie. Bereits in der Bachelor-Ausbildung können die Studierenden - deutschlandweit einzigartig - zwischen vier grundständigen BSc-Studiengängen sowie den auf das Lehramt ausgerichteten BA-Studiengängen wählen. Den Bachelor-Studiengängen folgen in der Regel darauf aufbauende Masterstudiengänge. Für das Studienziel Lehramt folgen auf den Bachelor 2-Fach der Master of Education für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen bzw. auf den Bachelor Lehramt HRGe der Master of Education für das Lehramt an Haupt-, Real- und Gesamtschulen. Dabei wird das Lehrangebot für die auf das Lehramt ausgerichteten BA-Studiengänge (Bachelor 2-Fach sowie Bachelor Lehramt HRGe) von den folgenden vier Instituten getragen: Institut für Didaktik der Geographie, Institut für Geographie, Institut für Geoinformatik und Institut für Landschaftsökologie.

Der Internationalisierung der Lehre kommt ein hoher Stellenwert zu. So bestehen derzeit mit zahlreichen Universitäten in 21 europäischen Ländern Austauschprogramme, wodurch eine bestmögliche Anerkennung der erzielten Leistungspunkte gewährleistet wird. In der Regel wird vorab ein learning agreement mit der Partneruniversität ausgehandelt, das für den Studierenden als Leitfaden dient. Auswärts erreichte Leistungspunkte und Prüfungsergebnisse werden in jedem Fall anerkannt, wenn Vergleichbarkeit mit den hiesigen Anforderungen vorhanden ist.



1.3 Studiensituation in Münster


Studienberatung

Um eine optimale Studienberatung zu gewährleisten, stehen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster unterschiedliche Beratungsstellen zur Verfügung. Über generelle Fragen im Zusammenhang mit Wahl, Aufnahme und Bewältigung eines Studiums informiert und berät die Zentrale Studienberatung. Für fachspezifische Anliegen steht als zentrale Einrichtung des Fachbereichs 14 (Geowissenschaften) das Front Office (https://www.uni-muenster.de/Frontoffice-geoloek/index.html) als Ansprechpartner für alle Studierenden und Studieninteressierten der Institute für Geographie, Didaktik der Geographie und Landschaftsökologie und als Koordinator für Studierende, Lehrende und das Prüfungsamt zur Verfügung. Bei Fragen zum Lehramtsstudium im Fach Geographie stehen darüber hinaus die Fachstudienberater/-innen der Institute zur Verfügung.

Ausstattung

Neben zahlreichen zentralen Einrichtungen der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster verfügt der Fachbereich 14 (Geowissenschaften) über eine Vielzahl von Forschungslaboren, die größtenteils auch in der Lehre eingesetzt werden. Darüber hinaus gehören das Zentrum für Digitale Medien und Mediendidaktik (Service-Einrichtung für Studierende und Lehrende zur Unterstützung von Studium, Lehre und Weiterbildung im Hinblick auf den Umgang mit Digitalen Medien), die Kartensammlung sowie die Bibliothek Geowissenschaften I (mit ca. 62.000 Monographien und 207 laufend gehaltene Zeitschriften zu den Themen Geographie, Landschaftsökologie, Geoinformatik, Didaktik der Geographie sowie Regionale Geographie) zu den für das Studium wichtigen Einrichtungen des Fachbereichs.




2. Anforderungen an Studieninteressierte


Studieninteressierte sollten neben dem Berufsziel Lehramt ein grundlegendes Interesse an raumbezogenen, geographischen Themen und Fragestellungen mitbringen. Dabei steht das vernetzende Denken im Mensch-Umwelt-System im Vordergrund. Darüber hinaus sollten Bereitschaft und Freude, sowohl theoretisch als auch praktisch (im Labor, auf Exkursionen) zu arbeiten, vorhanden sein.




3. Berufs- und Tätigkeitsfelder


Der Zwei-Fach-BA Geographie bietet eine Ausbildung, mit der sich die Absolventen in erster Linie für den Zugang zum Master of Education-Studiengang für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen qualifizieren. Daneben bereitet der Studiengang (je nach Zweitfach) u. a. auf folgende Berufsfelder vor:

  • querschnittsorientierte planerische Tätigkeiten auf unterschiedlichen Maßstabsebenen
  • angewandte Stadtentwicklung
  • Regionalentwicklung und -management
  • Stadt- und Regionalmarketing
  • Politik und Politikberatung
  • raumbezogene Informationsvermittlung und Öffentlichkeitskommunikation.



4. Struktur und Aufbau des Studiums


4.1 Modulstrukturen


Das Studium ist gegliedert in sogenannte Module. Das sind Studieneinheiten, die bestimmte Themen und Stoffgebiete inhaltlich und zeitlich zusammenfassen. Module umfassen in der Regel drei bis fünf Veranstaltungen, die sich über ein bis zwei Semester erstrecken. Ein Modul beschreibt ein Lernziel, das durch mehrere miteinander verknüpfte Veranstaltungen und einem Selbststudium erreicht werden soll. Module können sich aus unterschiedlichen Lehr- und Lernformen zusammensetzen wie Vorlesungen, Seminare, Tutorien, Übungen, Exkursionen, Praktika. Der Arbeitsaufwand für das Präsenz- und Selbststudium, das z.B. für die Anwesenheit in einem Seminar, für die Erstellung einer Hausarbeit, einer Präsentation oder für Exkursionen entsteht, wird nach einem Leistungspunktsystem berechnet (synonym: Kreditpunktsystem, Credit-Point-System, European Credit Transfer System-ECTS). Leistungspunkte (LP) erfassen den angenommenen Arbeitsaufwand (work load). Ein LP umfasst 25 bis 30 Arbeitsstunden.

Im Studiengang Zwei-Fach-Bachelor Geographie sind insgesamt 75 Leistungspunkte zu erwerben, die sich auf 10 Module verteilen. Dem Studiengang Zwei-Fach Bachelor Geographie am Fachbereich Geowissenschaften liegt ein gestuftes, kompetenzorientiertes Ausbildungskonzept zu Grunde. Beginnend mit einer Sensibilisierungsphase zu praxisnahen geographischen Themen vor Ort in der Einführungswoche werden dann im ersten und zweiten Semester Grundlagen der human- und physisch-geographischen Denkweisen sowie Grundlagen der Geoinformatik vermittelt. Eine Vertiefung erfolgt im dritten und vierten Semester über ein erweitertes Studium human- und physiogeographischer Themenkomplexe sowie durch das Erlernen von Erhebungs- und Analysetechniken in Theorie und Praxis. Eine Spezialisierung und Vertiefung erfolgt im fünften und sechsten Semester durch intensive Bearbeitung von human- und physisch-geographischen, planerischen oder methodischen Aufgaben. Studierende sind in der Lage, aktuelle geographische Fragestellungen interdisziplinär, angemessen methodisch und bezüglich unterschiedlicher räumlicher Maßstabsebenen zu analysieren und aufzubereiten sowie adressatenspezifisch zu vermitteln. Die Anfertigung einer fachwissenschaftlichen Bachelorarbeit schließt den Studiengang ab.


Modulübersicht 2-Fach-BA Geographie

Grundlagen (Pflichtmodule): Physische Geographie I
Humangeographie I
Geoinformatik I
Vertiefung (Pflichtmodule): Physische Geographie II
Humangeographie II
Erweiterung (Pflichtmodule): Regionale Geographie
Erhebungs- und Analysetechniken
Erweiterung (Wahlpflichtmodule):
2 von 3 Modulen
Raumplanung/Angewandte Geographie
Geoinformatik II
Physische Geographie III
1 von 2 Modulen Wissenschaftskommunikation
Geographiedidaktik I


Die detaillierte Übersicht und Beschreibung der einzelnen Module kann der Prüfungsordnung entnommen werden (https://www.uni-muenster.de/ZSB/material/m858b_3.htm).

 



4.2 Studienbegleitende Prüfungen


Die einzelnen Module schließen mit Modulteil- oder Modulabschlussprüfungen ab. Dabei ist im Zwei-Fach-BA Geographie eine Varianz in den Prüfungsleistungen gewährleistet, die u. a. Klausuren, Referate, schriftliche Hausarbeite sowie Präsentation umfasst. Die Details, in welchem Modul welche Prüfungsleistung zu erbringen ist und mit welcher Gewichtung das Modul in die Abschlussnote einfließt, sind der Prüfungsordnung (https://www.uni-muenster.de/ZSB/material/m858b_3.htm) zu entnehmen.



4.3 Praktika


Während der Lehramtsausbildung sind in der Bachelor- und Masterphase (als Zugangsvoraussetzung zum Vorbereitungsdienst) insgesamt drei Praxiselemente zu absolvieren:

  • ein das Studium ergänzendes Eignungspraktikum,
  • im Bachelor-Studium ein Orientierungspraktikum und ein Berufsfeldpraktikum
  • sowie im Master-Studium ein Praxissemester.

Detaillierte Informationen zu den Praktika stellt das Zentrum für Lehrerbildung bereit (https://www.uni-muenster.de/Lehrerbildung/).

Für Studierende, die den Zwei-Fach-BA Geographie ohne das Studienziel Lehramt studieren, sind keine verpflichtenden Praxiselemente vorgeschrieben.



4.4 Sonstige Anforderungen


Eine besondere relevante Lehr- und Lernform stellen in der Geographie Exkursionen dar, die in den einzelnen Modulen verpflichtend angeboten werden. Gegen Ende des Studiums erfolgt eine "große Exkursion" (mind. 6 Tage) im Bereich der Regionalen Geographie. Es stehen jedes Jahr verschiedene nationale und internationale Ziele zur Auswahl.




5. Hinweise zur Studien- und Prüfungsordnung


Lupe Die Studienordnung Allgemeine Studien ZFB finden Sie unter
http://zsb.uni-muenster.de/material/mStO_BA-ZFB.htm.
Die Prüfungsordnung finden Sie unter
http://zsb.uni-muenster.de/material/m858b_3.htm.



6. Literaturhinweise


Deutsche Gesellschaft für Geographie (o.J.): Geographie - Eine Disziplin stellt sich vor. Online unter http://dgfg.geography-in-germany.de/?page_id=159

Borsdorf, A. (2007): Geographisch denken und wissenschaftlich arbeiten. Eine Einführung in die Geographie und in Studientechniken. Heidelberg.