
Unterzeichnung des Kooperationsvertrags zwischen der Universität Münster und der Saint Joseph University Beirut
Am Montag, den 13. Oktober 2025, fand am Zentrum für Islamische Theologie (ZIT) der Universität Münster ein feierlicher Moment der internationalen Hochschulkooperation statt: Die Universität Münster und die Saint Joseph University (USJ) Beirut unterzeichneten ein Memorandum of Understanding (MoU), das den Grundstein für eine strategische und nachhaltige Partnerschaft legt.
Im Mittelpunkt der Vereinbarung steht die gemeinsame Gründung einer neuen interreligiösen Forschungs- und Austauschplattform mit dem Titel „The Shared Word“ Platform for Interreligious Studies between Islam and Christianity, die künftig als institutionelle Brücke zwischen den beiden Universitäten dienen soll.
Die Unterzeichnungszeremonie markierte den Höhepunkt des Besuchs einer hochrangigen Delegation der USJ, die aus Prof. Dr. Salim Daccache, dem Rektor der Universität Saint Joseph, Prof. Dr. Tony Kahwaji, Direktor des Instituts für Orientalische Literatur, Prof. Dr. Ahmad Al-Zoabi, Koordinator des islamwissenschaftlichen Programms am selben Institut, sowie Prof. Dr. Roula Talhouk, Direktorin des Instituts für Islamisch-Christliche Studien, bestand.
Am ZIT der Universität Münster wurden sie von Prof. Dr. Mouhanad Khorchide, geschäftsführender Direktor des Zentrums, sowie von Dr. Yassine Yahyaoui herzlich empfangen. Seitens der Universitätsleitung nahm Prof. Dr. Michael Quante, Prorektor für Internationales, Transfer und Nachhaltigkeit, an der feierlichen Unterzeichnung teil. In seinem Beitrag hob er die strategische Bedeutung dieser Kooperation hervor: „Diese Partnerschaft steht exemplarisch für den Geist unserer Universität, den Dialog zwischen Religionen, Kulturen und Wissenschaften als Grundlage für Frieden und Verständigung zu fördern.“
Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrags verpflichten sich beide Universitäten, den wissenschaftlichen und interreligiösen Austausch durch gemeinsame Forschungsprojekte, Workshops, Lehrveranstaltungen und Studienprogramme zu vertiefen. Besonders hervorgehoben wurde dabei der Wunsch, eine dauerhafte Plattform für interreligiöse Studien zu etablieren, die Studierende und Forschende aus Europa und dem Nahen Osten in einen kontinuierlichen Dialog bringen soll.
„The Shared Word“: eine gemeinsame Sprache zwischen Theologie und Menschlichkeit
Die neue Plattform „The Shared Word“ soll zukünftig als international sichtbares Forum für christlich-islamische Begegnung, Theologie und Friedensarbeit dienen. Geplant sind regelmäßig stattfindende Konferenzen, Publikationen und Austauschprogramme, die sich der gemeinsamen Erforschung von Themen wie Gottesverständnis, Offenbarung, Schöpfung, Ethik und sozialer Verantwortung widmen. Dabei soll besonderes Augenmerk auf die religiöse Sprache der Gemeinsamkeit gelegt werden, auf das, was Christentum und Islam im gemeinsamen Glauben an den einen Gott verbindet.
Interreligiöser Workshop nach der Unterzeichnung
Im Anschluss an die Unterzeichnungszeremonie fand am ZIT ein interreligiöser Workshop statt, der bereits das programmatische Ziel der neuen Kooperation verkörperte. Grundlage der Diskussion war das Dokument über die „Menschliche Brüderlichkeit“, das 2019 von Papst Franziskus und Großimam Ahmed el-Tayeb, dem Scheich der al-Azhar, in Abu Dhabi unterzeichnet wurde. Dieses historische Manifest dient beiden Universitäten als geistige Leitlinie und theologischer Referenzrahmen für die Arbeit der neuen Plattform.
In den lebendigen Diskussionen, an denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler beider Universitäten teilnahmen, wurde deutlich, dass die Erklärung von Abu Dhabi weit über einen symbolischen Akt hinausweist: Sie lädt ein, die Grundidee der Brüderlichkeit aller Menschen in akademische Diskurse, Forschung und Bildungspraxis zu übersetzen. Die Teilnehmenden betonten, dass diese Erklärung künftig zentrales Bezugsdokument weiterer gemeinsamer Aktivitäten und Konferenzen sein soll als Ausdruck einer Theologie des Friedens und der gegenseitigen Achtung.
Perspektive: Wissenschaft im Dienst des Dialogs
Beide Universitäten vereinbarten, ihre Kooperation Schritt für Schritt auszubauen: Geplant sind gemeinsame Zertifikatsstudiengänge im Bereich des interreligiösen Dialogs, die Einrichtung bilateraler Forschungsgruppen sowie jährliche Tagungen im Wechsel zwischen Münster und Beirut. Dabei sollen auch junge Forscherinnen und Forscher gezielt eingebunden werden.
Die Partnerschaft zwischen der Universität Münster und der Saint Joseph University Beirut steht somit nicht nur für den Austausch zweier renommierter Hochschulen, sondern für eine gemeinsame Vision: Theologie als Friedenswissenschaft in einer Welt zu stärken, die Verständigung, Demut und Mitgefühl dringend braucht.
Wie Prof. Khorchide betonte, gehe es bei dieser Kooperation „nicht nur um akademischen Austausch, sondern um die Suche nach einem gemeinsamen Wort, nach einem Glauben, der verbindet statt trennt“.
Mit der Unterzeichnung des MoU und der Gründung der Plattform „The Shared Word“ haben beide Universitäten einen zukunftsweisenden Schritt unternommen, hin zu einer Theologie im Dialog, die Brücken schlägt zwischen Münster und Beirut, zwischen Kirche und Moschee, zwischen Wissenschaft und Menschlichkeit.