Call for Papers

Jahrbuch für Islamische Theologie und Religionspädagogik
Jahrgang 3, Band 3, Erscheinung: 30. Oktober 2014
Zum Thema: Muslimische Gelehrte – neu gelesen

Theologie, Wissen, Gelehrsamkeit ist ohne jene Personen, die sie verkörpern und entwickeln, nicht möglich. Einem Ausspruch des Propheten Muhammad nach sind die Gelehrten die Erben der Propheten. Sie tragen Sorge dafür, das religiöse Erbe der Propheten aufzubewahren. Die Rolle muslimischer Gelehrsamkeit endet allerdings nicht im reinen Konservieren und Verwalten von religiösen Wissensbeständen; sie sind ferner dazu angehalten, das überantwortete Wissen im Hinblick auf ihre jeweiligen Gesellschaften nutzbar zu machen. Den muslimischen Gelehrten wird abverlangt, aus dem, was überliefert ist, einen dynamischen Sinn zu schöpfen, der sich in ihre jeweiligen Gesellschaften hineintragen lässt. Inwiefern diese Anstrengung gelingt, spiegelt sich in dem Maße wider, in dem der Output gelehrsamer Beschäftigung Anerkennung findet in seinem kontextuellen Gesellschaftsdiskurs. Manchen Gelehrten gelingt dieser Transfer sehr eindrücklich, andere werden erst lange nach ihrer Zeit als Gelehrsamkeitsautoritäten entdeckt.

Wer waren diese Protagonisten muslimischer Gelehrsamkeitsgeschichte? Was machte es schlussendlich aus, dass Gelehrte mit dem, was sie an Gelehrsamkeit vorbringen, in ihren Gesellschaften ankommen? Und sind unsere gegenwärtigen Rezeptionen von muslimischer Gelehrsamkeitsgeschichte und ihrer Protagonisten so zuverlässig, für wie wir sie halten? Existieren möglicherweise nicht auch stille Geister, jenseits der großen Namen muslimischer Ideengeschichte, die aber Epochemachendes geleistet haben? Und warum ist der Gelehrsamkeitsbegriff nahezu ausschließlich androzentrisch besetzt, wo ist der Raum weiblicher Gelehrsamkeit? Ist al-Gazali der Totengräber der islamischen Philosophie? Gelingt al-Aš?ari die widerspruchslose Formulierung einer rationalen Theologie? Sind Mutaziliten Rationalisten? Was ist die Leistung muslimischer Hadithgelehrter und warum ist dieser Zweig in der wissenschaftlichen Forschung so unterrepräsentiert?

Der dritte Band des Jahrbuchs für Islamische Theologie und Religionspädagogik widmet sich den Protagonisten muslimischer Gelehrsamkeit aus einer Perspektive, die die standardisierten Wahrnehmungen über eben jene beleuchtet und auf ihre Stichhaltigkeit hin befragt. Sie bewerben sich mit der Einsendung eines Beitragsvorschlags in Form eines max. einseitigen Abstracts bis zum 30. April 2014 an folgende Adresse: zit.jahrbuch@uni-muenster.de. Dieser soll eine kurze Skizze der zentralen Forschungsfragen hinsichtlich der geschilderten Thematik des Bandes, Ausgangshypothesen und die anzuwendende Methodik enthalten. Daraufhin folgt die Entscheidung über die Annahme der eingereichten Vorschläge.

2014 Jahrbuch Islamische Theologie