Leseprobe - Ein Ausschnitt aus dem 8. Kapitel des Buches

Nachdem Frida mit ihrem Rad die letzten Meter über das Kopfsteinpflaster geruckelt war, stellte sie es vor dem Schloss ab und lief mit eingezogenem Kopf zur Türpforte. Es schüttete wie aus Eimern. Gut, dass sie noch ihre Regenjacke übergezogen hatte. Ein Schauer war das nicht mehr, eher eine Sintflut, die bereits seit den Morgenstunden niederging. Schlecht gelaunt wrang Frida ihre nassen Haare aus, die die Kapuze nicht hatte schützen können. Mistwetter! Sie trat einen Schritt zur Seite, als die Tür aufschwang und die ersten Studenten hervorquollen, die aus ihren Vorlesungen kamen.
Wie Cornelius wohl gelaunt war? Gestern noch war er stinksauer gewesen. Seufzend blickte sie den Studenten nach, die ihre Räder aufschlossen und durch den Regenschleier nach Hause fuhren. Richtig hell geworden war es heute nicht.

„Hey Frida.“ Da war er ja. „Es schüttet.“
Welch eine Feststellung.
„Ne, Conny, da musst du dich vertun – in Münster regnet es nie!“, witzelte Frida zur Begrüßung. Er machte keine Anstalten, das schützende Vordach zu verlassen und blickte sie unmotiviert an, die Hände in den Hosentaschen.
„Was tun wir eigentlich, wenn wir am vermeintlichen Tatort sind? Eine echte Sinnlos-Aktion – und das bei dem Wetter. Ich fühl mich schon jetzt wie ein verdammter Hobbydetektiv.“
 „Es ist ein Anfang. Einen anderen Anhaltspunkt als die Promenade haben wir im Endeffekt nicht.“
Ihr gelang nur ein schiefes Lächeln, das sicher nicht besonders glaubwürdig wirkte. Wenn Conny jetzt einen Rückzieher machte, dann … Ja, was eigentlich?

Der Begriff „Sinnlos-Aktion“ traf doch eigentlich ins Schwarze. Sie, Frida, spazierte allen Ernstes fröhlich durch den Herbstregen Münsters, neben ihr ein Student, der in betrunkenem Zustand und mitten in der Nacht etwas beobachtet hatte, was ihm die Polizei nicht glaubte – und vermutlich auch sonst niemand auf der Welt. Stattdessen könnte sie auch zu Hause sitzen, trocken und mit einem Tee in der Hand, und endlich einmal die Unterlagen für den Debattierwettbewerb durchgehen.
Und dennoch ... Seit der besagten Nacht schien Isabella unauffindbar und hatte offenbar sogar ein wichtiges Galerie-Event versäumt. Wo war sie? War ihr das zugestoßen, was Conny beobachtet hatte? Oder war doch alles ein dummer Zufall? [weiterlesen]

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