Bausteine des Lesetrainings "Lesen(d) lernen"


Lesestrategien

Um das Verstehen von Texten zu erleichtern, setzen gute Leser Lesestrategien ein. Lesestrategien sind zielgerichtete, flexible und situationsabhängige Prozesse und Verhaltensweisen, die bestimmte Funktionen für den Textverstehensprozess erfüllen. Der Einsatz von Lesestrategien erfolgt immer zielgerichtet, bewusst und selektiv, unterliegt also der Kontrolle des Lesers, der sich bei jedem Text neu entscheidet, welche Lesestrategien aus seinem Repertoire eingesetzt werden, um den Anforderungen des Textes gerecht zu werden. Auch wenn sie bei routinierten Lesern automatisiert eingesetzt werden, bleiben sie bewusstseinsfähig und können bewusst erlernt und angewandt werden. Die Verwendung der Lesestrategien ist kapazitätsbelastend, sofern sie bewusst verläuft. Das heißt, für die Entscheidung für bestimmte Lesestrategien, deren Einsatz und die Reflexion bzw. deren Regulation werden mentale Ressourcen benötigt, die in diesen Momenten dann nicht für den Vorgang des Textverstehen zur Verfügung stehen. Entlastet werden kann das Arbeitsgedächtnis nur, wenn die Verwendung von Lesestrategien weitestgehend automatisch abläuft. Deswegen ist es wichtig, dass Lesestrategien durch systematisches Trainieren und Üben automatisiert werden.

Sichtwortschatztraining

Zum Strategietraining kommen mit dem Sichtwortschatztraining ergänzend Übungen zu Lese-Teilleistungen hinzu.
Während beim fortlaufenden Lesen die Augen immer wieder für eine Dauer von 200-250 Millisekunden auf einen Textausschnitt von wenigen Worten fixiert werden, die so genannte Augenrast, dauert ein Augensprung (Saccade) zur nächsten Augenrast 5-10 Millisekunden. Eine Informationserfassung findet nur bei der Augenrast statt. Im Sichtwortschatztraining wird geübt, die Augensprünge zu vergrößern und die Augenrasten zu verkürzen (vgl. Grzesik 2005, 14 f.). In diesem Sinne werden Übungen zum „Sichtwortschatz-Training“ eingesetzt, welche die Fähigkeit zur schnellen, exakten Decodierung von Wörtern verbessern. Fließendes Lesen stützt sich auf ein blitzartiges Wiedererkennen von gespeicherten Wörtern und Wortgruppen, wobei die Speicherung durch häufiges Begegnen erfolgt.